Samstag, 25. Februar 2012

Rezension: Brett McBean - Die Mutter

Die Schlinge zieht sich zu





Rebecca trampt, sie will zu ihrem Vater, ohne dass ihre Mutter davon weiß. Dabei gerät sie in die Hände ihres Mörders. Sie hat ihre Tochter verloren. Sie gibt ihr altes Leben auf, um auf den Straßen von Australien nach dem Täter zu suchen. Ihr einziger Hinweis ist ein Tattoo auf dem Arm des Mannes, der ihr das Liebste genommen hat. So wie ihre Tochter stellt sie sich an die Straße und wartet darauf, mitgenommen zu werden. Jeder, der anhält kommt infrage, jeder hat eine eigene Geschichte und nicht immer eine Gute. Sie fragt sich, ob die Reise jemals enden wird.

Brett McBean hat noch nicht viel veröffentlicht. Er ist Australier, schreibt Thriller und Horrorliteratur. In diesen Kreisen vergleicht man ihn mit Dean Koontz und Richard Laymon. Hochrangige Autoren, mit denen er sich noch messen muss.

Das Buch erzielt bei mir die Wirkung, die es haben sollte. Es fesselte mich an sich von der ersten Seite an und ließ mich auch nicht mehr los. Der Roman ist unterteilt in viele kleine Geschichten. Sie erzählen die Begegnungen der Mutter mit den verschiedenen Reisebegleitern. Es gibt einige, die gute Absichten haben, die helfen wollen, andere hingegen sind sadistisch, lassen ihre schmutzigen Fantasien an ihr aus und behandeln sie wie Dreck. Diese Gegensätze ziehen sich durch das gesamte Buch. Kaum sind die Nerven wieder etwas beruhigt, geschehen erneut entsetzliche Dinge. Es entsteht beim Lesen keine Langeweile. Die Szenen sind detailgenau beschrieben, die Fantasie wird angeregt und das Gehirn bekommt viel zu tun. Ich fühlte mit der Mutter. Einerseits eine taffe Frau, die den fiesen Gestalten die Stirn bieten konnte, andererseits die Angst und auch die Hilflosigkeit, dass sie den Mörder nie findet. Man folgt ihrem Leidensweg, der auch körperlich an ihr stattfindet. Sie verändert sich psychisch und physisch. Man sieht sie vor sich, wie sie altert und verblasst. Sie verliert sich selber, hat keinen Bezug mehr zur Vergangenheit. Ihre Erinnerungen lassen nach, alles, was sie noch am Leben hält ist der Wunsch Rache zu nehmen. Man möchte sie förmlich aus dem Buch reißen und ihr ein Bett und eine warme Dusche zur Verfügung stellen. Gespannt erwartet man das Ende. Leicht irritiert vom Finale, legte ich das Buch zur Seite, atmete ein wenig durch. Es regt deutlich zum Nachdenken an. Gibt es tatsächlich so kranke Gestalten auf den Straßen? Haben wir alle irgendwo eine Macke? Tragen auch wir das Böse in uns? Manchmal ist es gut, den Nachbarn nicht besser zu kennen. Gut auch, dass man keine Gedanken lesen kann.

Für mich ein sehr gelungener Psychothriller, der jedem Horrorliebhaber das Herz höher schlagen läßt. Er hat alles, was er haben muss. Horror, Spannung, Blutrünstigkeit. Für mich ist Brett McBean ein sehr viel versprechender Autor, von dem man sicherlich noch einige sehr gute Bücher erwarten kann.

5/5

Verlag: Festa Verlag
Autor: Brett McBean
384 Seiten
13,95 Euro

Ausstellung Aschenbrödel





„Die Wangen sind mit Asche beschmutzt, aber der Schornsteinfeger ist es nicht. Ein Hütchen mit Federn, die Armbrust über der Schulter, aber ein Jäger ist es nicht. Ein silbergewirktes Kleid mit Schleppe zum Ball, aber eine Prinzessin ist es nicht, mein holder Herr."





Wir kennen alle das Märchen um Aschenbrödel. Dieses Märchen wurde mehrmals verfilmt, doch wenn wir ehrlich sind gibt es nur eine, die es sich lohnt anzusehen. Ein armes Mädchen, das von ihrer Stiefmutter als Hausmädchen und Putzdame missbraucht wird. Von einer Reise bringt ihr der Knecht drei Haselnüsse mit. Hinter denen verbirgt sich ein Geheimnis, welches sie schnell herausfindet. Getarnt als Jäger und Prinzessin auf dem Ball erweckt sie beim Prinzen des Landes schnell das Interesse. Als sie dann vom letzten Ball flieht, verliert sie einen ihrer Schuhe. Nun liegt es am Prinzen mit dem Schuh seine Herzensdame zu suchen. In einem kleinen abgelegenen Dorf findet er dann sein Aschenbrödel und das Märchen hat ein glückliches Ende.  

Gedreht wurde der Film größtenteils in Tschechien, aber einige Passagen auch in dem schönen Sachsen. Die Szene, in der sie ihren Schuh verliert ist die bekannteste und bedeutendste im gesamten Film. Abhanden kommt er ihr auf der Treppe des Schlosses Moritzburg.Es ist einer der schönsten Barockbauten im sächsischen Raum und umgeben von einem kleinen Teich. Ursprünglich diente es August dem Starken als Jagdaufenthalt. Da es in den letzten Jahrhunderten nur wenig Umbauten gab, sind viele kostbare Teile der Inneneinrichtung erhalten geblieben. August der Starke, König von Polen, hatte sich auch das angrenzende Waldgebiet zu einem kleinen Erholungsort gemacht. Neben weiteren zahlreichen kleinen Teichen und Seen, die mit einem Leuchtturm und Ankerplätzen ausgestattet wurden, gab es noch das Fasanenschlösschen. Das im Rokkokostil gebaute Gebäude zeigt auch heute noch die pompöse und königliche Ausstattung der damaligen Zeit.  






In den Wintermonaten lädt die Moritzburg ein, den Spuren Aschenbrödels zu folgen und ein kleiner Teil des Filmes zu werden. Auch ich war neugierig und gespannt, was mich erwartete. Trotz Temperaturen nahe dem Nullpunkt hatten sich schon jede Menge Besucher vor den Toren eingefunden. Der Einlass erfolgte zügig und gleich im ersten Raum fährt der Vater von Aschenbrödel mit seinem Pferdegepann durch den Wald nach Hause. Die Darstellung versetzte mich sofort in das Märchen und die Reise begann. Die nächsten Räume zeigten auch wieder verschiedene Szenen des Filmes, die Kostüme, teils nachgefertigt, teils echt, waren liebevoll in Schaukästen drapiert. An den Wänden erfuhr man viel über die Dreharbeiten und die diversen Schauspieler und deren Werdegänge. Der Aufstieg zu den weiteren Exponaten erfolgte über die Schlosstreppe. Am Geländer hingen vereinzelt drei Haselnüsse. Eine sehr schöne Idee, die mich schmunzeln ließ. Am liebsten hätte man sie vom Geländer genommen und auf den Boden geworfen, um zu sehen was passiert. Heiß begehrt, vor allem bei den kleinen Mädchen, das Fenster durch welches Aschenbrödel in den Saal blickte. Dahinter verbargen sich Miniaturfiguren der Darsteller, die sich zu den Klängen von Karel Svoboda bewegten. Neugierig war ich vor allem auf das Ballkleid und das Hochzeitskleid. In der Mitte eines kleinen Ballraumes tanzten der Prinz und das Aschenbrödel. Sie in dem tollen Ballkleid, er in seinem dazu passenden Anzug. Der Saal selber wirkte recht klein, man konnte sich gar nicht vorstellen, dass in diesem Raum so viele Paare tanzten. Die Wände verziert mit zahlreichen Hirschgeweihen weisen auf die eigentliche Verwendung des Schlosses hin. Im Mittelpunkt des Raumes zeigten sich diverese Filmkostüme. An den Stoffen, den Farben und den Mustern konnte man deutlich das Drehjahr erkennen. Ich glaube es reicht, wenn ich sage, er wurde 1973 gedreht. Ein wenig enttäuschend war das Brautkleid. Ganz in schlichtem Weiß ohne großem Schnickschnack hing es in einem der Glaskästen. Kein Schleier dazu, keine tolle Kette. Fast hätte ich es übersehen. Natürlich konnte man sich am Ende der Tour mit jeder Menge Material über und von Aschenbrödel eindecken.








Ich fand diese Ausstellung sehr gelungen und informativ. Die einzelnen Szenen waren sehr detailgetreu und liebevoll gestaltet. Da hat man sehr drauf geachtet. Ich war begeistert von den vielen Informationen. In zwei Nebenräumen wurden auch Filme gezeigt, in denen Schauspieler und Mitwirkende über die Dreharbeiten berichteten. Wenn man mit dem Film aufgewachsen ist und diesen auch Jahr für Jahr immer wieder im Fernsehen verfolgt, für den ist diese Ausstellung ein Muss. Sicherlich wird es sie auch im nächsten Winter zu bewundern geben.  

Mittwoch, 15. Februar 2012

Rezension: Jack Ketchum - Beuterausch

Im Albtraum gefangen


Heyne Verlag

Cleek ist Familienvater und Anwalt. In seiner Freizeit widmet er sich der Jagd. An einem sonnigen Nachmittag hat er sein Gewehr und seine Augen jedoch nicht auf das Getier gerichtet, sondern auf eine wilde, schmutzige und geschundene Frau, die im Fluss ihr Essen jagt. Eines Tages werden die Familienmitglieder gebeten, den Keller zu räumen für ein Experiment. Er will die Wilde als Sklavin halten, sie erziehen und zähmen. Er überwältigt sie und hält sie in dem kleinen Raum gefangen. In schweren Ketten, an eine Steinwand fixiert, erträgt sie die Züchtigungen des Familienoberhauptes und seines Sohnes. Doch die Kräfte dieser Frau sind unberechenbar, ihr Ausbruch wird zum Albtraum.


Beuterausch ist der Nachfolgeroman von Beutezeit. Eine Fortsetzung, die es sich zu lesen lohnt. Allerdings muss man nicht unbedingt den ersten Teil gelesen haben, denn die Charaktere und Hauptpersonen sind andere und stehen nicht in direktem Zusammenhang. Es ist für denjenigen uninteressant, der nicht alle drei Teile lesen möchte. Der dritte Roman Beutegier greift teilweise die Charaktere aus dem ersten Teil wieder auf. In jedem dieser Bücher ist der Kannibalismus das Hauptthema und die damit verbundenen makaberen Handlungen. Wieder verschlang ich das Buch in wenigen Tagen, immer wieder nutzte ich freie Minuten zum Lesen. Ketchum versteht es den Leser neugierig zu machen, zieht ihn immer wieder mit neuen Überraschungen in den Bann. Auch bei diesem Buch fühlt man mit den Charakteren. Die Mutter, die eifersüchtig ist, weil die Fremde Berührungen empfängt, die eigentlich ihr zustehen sollten. Peg, die große Tochter, die selbst in ihrem Körper gefangen ist. Sie leidet besonders mit der Wilden, möchte ihr helfen und beschützt sie, hat sie doch mit der Gefangenen viele Gemeinsamkeiten. Der 13-jährige Brian, der seinen Vater als großes Vorbild sieht und ihm nacheifern möchte. Er sieht die Misshandlungen als völlig normal an. Behandelt Frauen genauso schlecht und betrachtet sie als minderwertig. Er versucht in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und imitiert dessen Handlungen. Sie alle sind Komplizen bei dem Experiment und wissen, was mit ihnen passiert, wenn die Polizei davon erfährt. Also halten sie still, schweigen, leiden und verstecken ihre Gefühle. Sie sind gehorsam, denn wenn sie es nicht tun, wird auch ihnen Leid zugefügt. Cleek hat seine Familie unter Kontrolle, bis dann doch die Wende kommt.  


Jack Ketchum nimmt auch in diesem Buch kein Blatt vor den Mund, er beschreibt seine Charaktere und Geschehnisse bis ins kleinste Detail, ohne sich aber darin zu verlieren oder allzu weit auszuholen. Direkt und hart. Doch das ist man nach ein paar Ketchum-Büchern gewohnt, da wundert man sich über nichts mehr.  


Fazit: Von Lesegenuss kann man bei der Brutalität sicherlich nicht sprechen, anpruchsvoll ist es definitiv nicht. Doch die Horrorgeschichten und der Schreibstil verleiten mich immer wieder dazu, ein Buch dieses Autors zu lesen. So wie dieses!  


Für alle, die lieber die Bilder vor dem Auge haben. 
Das Buch wurde im letzten Jahr in den USA verfilmt und ist unter dem Namen "The Woman" erhältlich.

5/5


Verlag: Heyne Hardcore
285 Seiten
8,99 Euro