München glänzt sonst nicht gerade mit Angeboten für die Anhänger der schwarzen Szene, so war die Verkündung des anstehenden Dark Munich Festivals eine willkommene Veranstaltung. Gerade die EBM-Fans kommen immer recht kurz, umso mehr sollte sie es freuen, mit welchen Bands der Veranstalter lockte. Wenn man das Line-Up sah und Größen wie Agonoize und Kirlian Camera las, musste man sich unbedingt eine Karte kaufen. Geboten waren 20 Bands, zwei Shows und im Anschluss natürlich die Aftershow Parties, und das verteilt auf die Theaterfabrik und die Garage in den Optimolwerken. Endlich ist wieder ein Zeitpunkt gekommen um die schicken Klamotten aus dem Schrank zu holen und sich in Schale zu werfen.
Um 12 Uhr am Mittag war Einlass, tatsächlich hatten es auch schon einige aus den Betten geschafft, um von Anfang an dabei zu sein. Wer wollte, konnte sogar noch ein paar Soundchecks miterleben oder schon mal den kleinen Gothicmarkt ums Eck besuchen. Dort hatte der Fallen Angel Store aus Germering ein paar Stände aufgebaut und bot einiges an Zubehör und Kleidung an. Ebenfalls in dem Nebengebäude befanden sich die Merchstände und es fanden zu bestimmten Zeiten auch Autogrammstunden statt.
Mila Masu - Electronic-Pop Welt meets Punk-Rock Queen
So sollte es um 13 Uhr sein. Pünktlich kamen die Musiker auf die Bühne und bretterten auch sofort los. Die Fabrik hatte vielleicht 50 Besucher zu diesem Zeitpunkt verschlungen, die nun ihren Blick Richtung Band wandten. Die Füße wippten, einige Köpfe wogen im Takt der Musik mit und Mila genoss auf der Bühne ihren Auftritt. Ein kleiner Wirbelwind, der mit kräftiger Stimme ihre frechen Texte widergab. Ein sehr gelungener Auftakt, den aber nur wenige genießen konnten.
Die Italienische Band Naughty Whisper hatte einen etwas längeren Anfahrtsweg aus Mailand. Auch zu einer eher unchristlichen Stunde, um kurz vor 14 Uhr, begann der Auftritt der Jungs. Rockig ging es nach Mila weiter, keine ruhige Minute für die Füße. Der Sound der Fabrik war erstaunlich gut, das zog sich auch über den gesamten Abend hinweg. Manchmal hätte weniger Bass mehr gebracht, aber das sind Kleinigkeiten.
Das Programm am Anfang schien geprägt zu sein von Rockmusikern.
Die Dessauer Band Winterspring trat in die Fußstapfen ihrer Vorgängerkollegen und rockte die Fabrik. Diese hatte sich endlich ein wenig gefüllt, so dass etwas mehr Zuschauer den melancholischen und rockigen Klängen lauschen konnten. Eine junge Band, die auf der Bühne einen sehr guten und auch sympathischen Eindruck vermittelte.
Teils ruhig, melancholisch, aber auch rockig und orientalisch begleitete die Band Schöngeist dann das Publikum in das Nachmittagsprogramm. Das Licht düster, passend zum Festival. Die tiefe Stimme ging teilweise ein wenig im Instrumentenklang unter, so dass man nicht immer den Text verstehen konnte. Timur, der ja in München aus der Szene auch nicht mehr wegzudenken ist, gab sein Bestes und versuchte mit Blick und Mimik die Menschen in den ersten Reihen zu verzaubern.
Man verbindet mittlerweile nicht mehr nur die Reeperbahn mit Hamburg. Man muss nur Lord of the Lost sagen. In den letzten zwei Jahren haben sie deutlich an Bekanntheitsgrad gewonnen, lag das nicht zuletzt auch an der Tour mit Eisbrecher, die ja auch in München Halt machte. So war es nicht verwunderlich, dass die Halle auf einmal fast zur Hälfte gefüllt war. Mit bewährtem und bekanntem Programm hatten sie die Fans schnell im Griff. Vor allem den Mädels in der ersten Reihe wurde es nicht zuletzt wegen des Anblicks von Chris und Co heiß. Die Bühne gehörte ihnen, Chris nutzte die ganze Stage für sich. Im Gegensatz zum letzten Auftritt muss ich sagen, sie waren dieses Mal deutlich ausgeschlafener und schmutziger. Endlich mal wieder so, wie ich sie schon bei Mono Inc. erlebt hatte. Zu guter letzt gab es für Gared noch einen dicken Kuss von Kollege Harms.
So schnell sich die Halle auch füllte, umso schneller war sie auch wieder fast leer. Whispers in the Shadow kamen in düsterem, nebligem Licht auf die Bühne mit einem Intro, das mystisch wirkte. Seit 1996 sind sie im Geschäft schon aktiv. Leider trafen sie an diesem Abend nicht bei allen den Geschmack. Doch gegen eine kurze Tanzpause hatte sicherlich niemand was einzuwenden.
Schließlich ging es jetzt richtig los.
Sämtliche EBM Fans und Cybers hatten bislang Zuflucht gesucht in der Garage, da gab es jede Menge tanzbare Musik. Von Enter and Fall, Stahlnebel bis hin zu Dive und Eisenfunk konnte man sich hier die Füße wund tanzen. Leider war die Garage immer recht überfüllt, teilweise ließ man auch gar keinen mehr hinein. Vielleicht war die Garage als zweite Location nicht gut gewählt. Aber wer es kuschelig mochte, war da gut aufgehoben.
In der Fabrik machte sich Tyske Ludder warm. Mit dröhnenden elektrischen Beats ging es auch gleich von Beginn an zur Sache. Seit 1989 hält sich die Band jetzt schon und verwöhnte ihre Fans, erst im letzten Jahr wieder mit einem neuen Album. Leider waren der Bass und das Gestampfe für mich unerträglich und ich suchte Frischluft auf. Das war kein Fehler, denn von draußen kam man in den selben Genuss der Musik. Natürlich hatte ich nicht die passende Atmosphäre und Intimität, aber das nahm ich in Kauf.
Für alle, die den 80ern Dark Wave nicht erleben konnten, gab es einen Einblick. Clan of Xymox verzeichneten in den Jahren immer wieder Erfolge. Mit leichten The Cure Touch trat Sänger Ronny Moorings ans Mikrophon und versetzte uns zurück in die gute alte Zeit. Das Licht leider eine Katastrophe für die Fotografen, aber dafür konnte man sich auf die Musik konzentrieren. Für mich leider viel zu kurz, hätte den Klängen gerne noch länger gelauscht.
Es sprühten Funken. Stillstehen? Was ist das? Voller Energie und wie Gummibälle sprangen Pascal und Jan von [X]-RX auf der Bühne herum. Doch die Halle fand es gut, bejubelte die zwei, die mit ihren elektronischen Rave-Klängen und harten Rhythmen das Publikum ordentlich animieren konnte. Verschwitzt und bei bester Laune knallte den Zuhörern ein Titel nach dem anderen vor die Füße. Es hatte sich eine kleine Gruppe in eine Ecke verzogen und tanzte wie in Trance zu den Beats. Ein sauberer Auftritt der Jungs, hat sicherlich nicht nur ihnen und mir Spaß gemacht.
Nach der ganzen Musik musste eine Pause her, bevor es zu den Hauptacts ging. Ophelia Overdose, ein Fetisch -, Fantasymodel aus Essen hatte eine kleine Show geplant. Im schwarzen Umhang zur ruhigen düsteren Musik betrat sie die Bühne und entledigte sich nach und nach ihrer Kleidung. Unter ihrem Gewand trug sie einen weißen BH und einen Nylonanzug. Verführerisch tanzend zog sie die Blicke auf sich, versuchte zu betören. Drei Ballons, mit Kunstblut gefüllt, wurden dann passend zur Musik zerstochen und verspritzt. Nach circa zehn Minuten war die Show vorbei. Es blieben fragende Blicke bei den Zuschauern zurück. Was wollte sie uns jetzt damit erzählen? Der Applaus fiel auch dementsprechend spärlich aus.
Agonoize sind bekannt, auch für ihre Show. Schon im Vorfeld hieß es für die Fotografen: Passt auf, es kommen vier Liter Kunstblut runter. Also in Deckung gehen. Die Texte sind nach wie vor recht einfach gehalten, doch die meisten hatten recht gut getankt und interessierten sich nur für Beats und Show. Auch der Doktor schlich sich auf die Bühne. Mark Benecke war den ganzen Tag über schon zu Gast und hatte sich unters Volk gemischt. Für die Show stellte er sich zur Verfügung. Und die Menge war jetzt schließlich so heiß, dass der Hauptact kommen konnte.
Seit 30 Jahren existiert die Band Kirlian Camera. In Parma gegründet können sie uns mit einer ordentlichen Discographie beeindrucken. Natürlich hat sich die Besetzung mehrfach geändert. Seit dem Jahre 2000 ist Sängerin Elena Fossi dabei, die mit ihrem Äußeren schon allein die Männer sicherlich sehr anspricht. Düster, geheimnisvoll und anmutig bewegt sie sich zu den Dark Wave-Electronic Klängen. Stimme klar, keine Patzer, dazu ist sie auch zu sehr Profi. Die Masse ließ sich verzaubern und war begeistert von dem Finale an diesem langen, tollen und aufregendem Festivaltag.
Das erste Dark Munich Festival war aber noch nicht zu Ende. Wer noch Lust, Atem und Kondition hatte, konnte bei den anschließenden Aftershow-Parties den Erfolg der Veranstaltung feiern. Ein ganz großes Dankeschön geht an diesen. Die Organisation war hervorragend, es gab kaum Verzögerungen, die Musik war gut abgemischt. Klar passieren auch mal ein paar Pannen, aber diese sind nicht erwähnenswert. Ich würde mich freuen, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen. Es hat sehr viel Spaß gemacht.
Mittwoch, 25. April 2012
Mittwoch, 4. April 2012
Rezension: S.G.Browne - Schicksal
Das Schicksal entscheidet
Sergio ist das Schicksal. Als er vor hunderten von Jahren den Job von Jerry, auch als Gott bekannt, bekommen hatte, wusste er nicht, was auf ihn zukommen würde. Nach all diesen Jahren und verteilten Schicksalen wird Sergio langweilig, er sucht nach einer neuen Aufgabe. Und diese kommt schneller als er denkt. Er verliebt sich in Sara, eine Sterbliche. Damit geht er ein hohes Risiko ein, denn Liebschaften zwischen Menschen und Unsterblichen sind verboten. Jerry wird aufgrund der intensiven Arbeit davon sicherlich nichts mitbekommen. Wie sich herausstellt, eine folgenschwere Fehleinschätzung.
Nachdem ich den Klappentext des Buches gelesen hatte und ich bei den Zeilen schon zum Schmunzeln verleitet wurde, dachte ich, es muss ja nicht immer Horror sein, lese ich doch mal ein lustiges Buch. Nach den ersten Seiten wird mir aber schon bewusst, dass die Geschichte auch einen tieferen Sinn verfolgt. Sergio hat es nicht leicht als Schicksal zu arbeiten. Meistens sind es negative Erlebnisse und Zukunftsaussichten, die er an die Menschen verteilt. Er leidet sehr darunter ständig derjenige zu sein, den die Menschen hassen. Besser ergeht es da Bestimmung, sie verteilt hohe und wichtige Positionen, die bedeutenden Veränderungen in der Weltgeschichte bringen. Selbst Misserfolg und Unglück werden bei den Menschen noch mit mehr Würde betrachtet. Die Darstellung der verschiedenen Aufgaben der jeweiligen Tugenden oder Empfindungen ist sehr bildlich und genau. Man wird sich bewusst, wie viele unterschiedliche Gefühle das Leben bestimmen können und wie sie alle am Ende zusammenarbeiten. Es vermischen sich philosophische Gedanken mit einem gewissen Humor und Ironie. Die witzigen Passagen schaffen es, die nachdenklichen Momente wieder ein bisschen zu versüßen. Zum Beispiel hat der Tod Teddy eigentlich Angst vor Leichen, Völlerei geht in Jogginghosen und Hawaiihemden zum Essen und Faulheit leidet unter Narkolepsie. Und man wird feststellen, dass auch Unsterbliche in Sachen Liebe nicht anders empfinden als wir Menschen.
Das "Schicksal!" liest sich sehr angenehm. Es fesselte mich jetzt nicht so, dass ich es ständig vor Augen haben musste, aber zum Abschalten und Abtauchen war es genau das Richtige für mich. Ich hatte es mir noch eine Spur witziger vorgestellt, gefallen hat mir aber sehr gut. Für einen gemütlichen Abend würde ich es auf jeden Fall empfehlen, um sich auch selbst wieder bewusst zu werden, dass man auch aus der vorgegeben Spur ausbrechen kann, um etwas zu ändern.
Nicht immer muss das Schicksal gewinnen!
Zum Autor:
Scott G. Browne wurde in Arizona geboren und wuchs in der Nähe von San Francisco auf. Er absolvierte ein Managementstudium in Kalifornien und stellte dabei fest, dass seine eigentliche Leidenschaft das Schreiben ist. Trotzdem arbeitete Scott eine Zeit lang als Produzent für Fernsehspots und Filmtrailer bei den Disney-Studios und als Büromanager. 2009 veröffentlichte er seinen ersten Roman, „Anonyme Untote“, dem 2011 „Schicksal!“ folgte.
Nachdem ich den Klappentext des Buches gelesen hatte und ich bei den Zeilen schon zum Schmunzeln verleitet wurde, dachte ich, es muss ja nicht immer Horror sein, lese ich doch mal ein lustiges Buch. Nach den ersten Seiten wird mir aber schon bewusst, dass die Geschichte auch einen tieferen Sinn verfolgt. Sergio hat es nicht leicht als Schicksal zu arbeiten. Meistens sind es negative Erlebnisse und Zukunftsaussichten, die er an die Menschen verteilt. Er leidet sehr darunter ständig derjenige zu sein, den die Menschen hassen. Besser ergeht es da Bestimmung, sie verteilt hohe und wichtige Positionen, die bedeutenden Veränderungen in der Weltgeschichte bringen. Selbst Misserfolg und Unglück werden bei den Menschen noch mit mehr Würde betrachtet. Die Darstellung der verschiedenen Aufgaben der jeweiligen Tugenden oder Empfindungen ist sehr bildlich und genau. Man wird sich bewusst, wie viele unterschiedliche Gefühle das Leben bestimmen können und wie sie alle am Ende zusammenarbeiten. Es vermischen sich philosophische Gedanken mit einem gewissen Humor und Ironie. Die witzigen Passagen schaffen es, die nachdenklichen Momente wieder ein bisschen zu versüßen. Zum Beispiel hat der Tod Teddy eigentlich Angst vor Leichen, Völlerei geht in Jogginghosen und Hawaiihemden zum Essen und Faulheit leidet unter Narkolepsie. Und man wird feststellen, dass auch Unsterbliche in Sachen Liebe nicht anders empfinden als wir Menschen.
Das "Schicksal!" liest sich sehr angenehm. Es fesselte mich jetzt nicht so, dass ich es ständig vor Augen haben musste, aber zum Abschalten und Abtauchen war es genau das Richtige für mich. Ich hatte es mir noch eine Spur witziger vorgestellt, gefallen hat mir aber sehr gut. Für einen gemütlichen Abend würde ich es auf jeden Fall empfehlen, um sich auch selbst wieder bewusst zu werden, dass man auch aus der vorgegeben Spur ausbrechen kann, um etwas zu ändern.
Nicht immer muss das Schicksal gewinnen!
Zum Autor:
Scott G. Browne wurde in Arizona geboren und wuchs in der Nähe von San Francisco auf. Er absolvierte ein Managementstudium in Kalifornien und stellte dabei fest, dass seine eigentliche Leidenschaft das Schreiben ist. Trotzdem arbeitete Scott eine Zeit lang als Produzent für Fernsehspots und Filmtrailer bei den Disney-Studios und als Büromanager. 2009 veröffentlichte er seinen ersten Roman, „Anonyme Untote“, dem 2011 „Schicksal!“ folgte.
3/5
Verlag: Droemer-Knaur
410 Seiten
Autor: S.G. Browne
14,99 Euro
410 Seiten
Autor: S.G. Browne
14,99 Euro
Sonntag, 1. April 2012
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