Donnerstag, 29. März 2012

Der Frühling ist da!

Rezension: Carlton Mellick III - Die Kannibalen von Candyland

Kein Zuckerschlecken




Franklin hasst Kinder, liebt Tiere und die Farbe Rot. Angst hat er vor Allem. Als kleiner Junge sieht er die Frau mit dem rosa Zuckerhaar zum ersten Mal. Sie verströmt einen berauschenden Erdbeerduft, der Kinder willenlos macht. Dann werden sie gefressen. Franklin versucht die Zuckermenschen zu finden und zu beweisen, das sie tatsächlich existieren. Per Zufall findet er den Zugang in das unterirdische Candyland und trifft auf die Frau mit dem rosa Zuckerhaar. Eine Flucht ist ausgeschlossen, so muss er mit Haut und Haar als Sexsklave dienen.

Das Cover des Buches weckte mein Interesse. Die Gestaltung der Zuckerfrau und die Farben allein berauschen schon. Der neugierige Leser wird aufgefordert der Zuckerlady den Bauch zu streicheln. Das setzt einen Erdbeerduft frei. Der betörende Geruch benebelt meine Sinne. Ich kann nicht anders: Mit den klebrigen Erdbeerfingern öffne ich das Buch und lese gebannt die ersten Zeilen. Die Geschichte ist auf rosa Seiten geschrieben, aber das wirkt sich nicht negativ auf das Lesen aus. Es verstärkt eher noch die Fantasie. Und wer sich auf dieses Buch einlässt, braucht definitiv viel davon. Die Beschreibung des Candylandes fällt prachtvoll aus, man kann förmlich den Zuckerstangenwald vor sich sehen, ebenso den kleinen Marshmallowhund. Was um Gottes Willen sind Zitronenschweine und Gummigoblins? Falls Männer dieses Buch lesen wollen: ihr werdet die Art lieben, wie man eine Zuckerfrau entjungfert. Auf Dauer wird diese Befriedigungsmethode aber wohl eher zur Qual. Der Schreibstil ist sehr ansprechend, die bizarren Szenen verleiteten mich dazu, immer weiterzulesen und zu schmunzeln. Es ist bizzar, verrückt, einfach bekloppt. Doch wer sich damit anfreunden kann, dem wird dieses Buch sicherlich gut gefallen. Man fragt sich während des Lesens, was in einem nur vorgeht, das man so etwas schreiben kann. Wie kommt man auf solche Ideen? Irgendeine Schraube scheint da etwas locker. Leider ist es nur ein kurzes Lesevergnügen, doch es lohnt sich. Die Absurdität wird einfach verführen.

Zum Autor: Carlton Mellick III wurde 1977 in Arizona geboren und gehört zu der "Bizzaro"-Bewegung, neben Steve Aylett und Chris Genua. Mellicks literarisches Wirken wurde bereits als eine Kombination von „trashigem Schlock, Sci-Fi/Horror und postmoderner Literatur“ bezeichnet. Seine Romane, versetzt mit einem Touch Science Fiction, erkunden surreale Parallelwelten der Gegenwart, ergänzt durch Sozialsatire und dem Spielen mit Absurditäten. Bereits mit 18 Jahren hatte er zwölf Romane vollendet.

5/5

Verlag: Festa Verlag
Autor: Carlton Mellick III
158 Seiten
16,80 Euro

Montag, 12. März 2012

Konzertreview: 10.03.2012 Omnia, Backstage Halle München


Seit 2002 sind Omnia unterwegs. Die Musiker wechselten zwar immer wieder, doch der Kern blieb bestehen. Steve und Jenny gewannen für ihre Touren unterschiedliche Künstler, die sie begleiteten. So war es auch an diesem Abend nicht verwunderlich, dass neue Gesichter zu sehen waren. Die Holländer haben allerdings die Münchner fast vier Jahre warten lassen. Doch umso größer war die Neugier der Fans.
Somit war es nicht verwunderlich, dass es zahlreiche Besucher in die Backstage Halle lockte.



Das Warten nach dem Einlass schien kein Ende zu nehmen, aber pünktlich um 20 Uhr betraten die Musiker die Bühne. Nach dem ersten Song war klar, das wird ein toller Abend mit berauschender Musik. Das nahmen einige der Gäste wortwörtlich. Fast wie in Exstase und wie berauscht tanzten sie zu den Liedern und ließen ihren Gliedmaßen freien Lauf. Nicht immer sah es elegant aus, teilweise schmunzelte man bei diversen Zuckungen. Musikalisch war es wie in einem Traum. Die verschiedenen Akkustikinstrumente wurden professionell geführt und eingesetzt. Da spürte man die Erfahrung der Band. Sie selber betonten, dass man für gute Musik locker auf die E-Gitarren usw. verzichten kann. Und da hatten sie definitiv recht, demonstrierten sie es uns doch deutlich. Ich war hin und wieder versucht, die Augen einfach zu schließen. Das Gefühl, das mich durchströmte war wunderbar. Man musste sich einfach an einen anderen Ort denken. Auf eine Wiese mit Lagerfeuer und Musik von Omnia, dazu ein paar Freunde, die sich von der Musik leiten lassen. Schon vergaß man Raum und Zeit. Die rein instrumentalen Stücke zauberten eine Gänsehaut, die sich schwer abschütteln ließ. Aber wollte man dies? Die Klänge der Harfe versetzten jeden einzelnen in einen Tagtraum.



Die Botschaften von Omnia sind klar und deutlich. Steve versuchte uns immer wieder daran zu erinnern, wie wichtig die Natur ist, dass wir ohne sie nicht leben können und dass die Welt um uns herum so oder so schon grau genug ist. Die Natur kann uns nicht mitteilen wie es ihr geht: "I don´t speak human". Wir sollten ausbrechen aus unseren Boxen und etwas verändern, noch ist es nicht zu spät. Wir sollten uns frei machen von Zwängen, eigenständig sein und leben.

Die Band machte es uns vor, sie fühlten sich auf der Bühne frei, waren voller Energie und hatten sehr viel Spaß. Die gute Laune sprang auch auf das Publikum über und ließ keine Mundwinkel nach unten zeigen.



Fazit: Es war ein fantastischer Abend mit genialer Musik, sehr, sehr guten Musikern und einer super Stimmung. Sehr gerne wieder.

Weitere tolle Bilder von Peter Seidel: http://www.metalspotter.de/konzerte/Omnia-10.03.2012/

Konzertreview: 09.03.2012 Feuerschwanz, Spectaculum Mundi

Den Auftakt zu einer tollen Konzertreihe im Spectaculum Mundi machten an dem Abend die Mittelaltermusikgruppe Feuerschwanz.
Diesmal wollten sie mit ihrem Unplugged Programm ihre Fans begeistern. Das Spectaculum öffnete pünktlich die Tore und bot, wie immer, ausreichend kleine Snacks zu fairen Preisen an. Das Chili und die Baguettes sind durchaus empfehlenswert. Dem Aufruf, mit Feuerschwanz zu feiern folgten in diesem Jahr nicht ganz so viele wie im letzten. Die kleine Halle bot somit genug Platz und man musste nicht mit dem Nachbarn eng aneinandergepresst dem Konzert lauschen. Doch die Fans, die angereist waren, machten Stimmung für Hunderte. Sie tanzten, grölten, wirbelten wild durch die Gegend und zogen mit einer Polonaiseschlange durch den Raum.



Musikalisch bemerkte ich kaum einen Unterschied, natürlich waren sie mit Akkustikinstrumenten auf der Bühne, aber irgendwie kam die Wirkung nicht an. In gewohnter Feuerschwanzmanier wurden blöde Witze gerissen, Prinz Hodenherz verwandelte sich wieder in Prinzessin und Fee. Das Programm bot nicht wirklich Überraschungen. Die Miezen hatten sie zu Hause gelassen und Gott sei Dank auch die peinliche Metmaschine "MAMA". Das muss ich ihnen schon fast hoch anrechnen. Etwas fiel mir auf, die Begeisterung für die alten Songs war wesentlich höher als für die neuen. Sie sind definitiv ansprechender und der Inhalt lässt sich noch mit Mittelaltermusik vereinbaren. Gesanglich passte alles. Die Stimmen der zwei Frontmänner können etwas, die Klangart des Hauptmanns fasziniert mich immer wieder. Eigentlich schade, dass da nicht mehr draus gemacht wird. Eine Besonderheit gab es an dem Abend, ein Livedebüt. Der Titel "Albrecht, der Bruchpilot" kam recht gut an. Mir hat auch der Inhalt zugesagt, in dem es um einen alten Schreinermeister geht, der wünscht, zu fliegen und alles dafür gibt, um das auch zu erleben. Auch der Titel "Symposium" ist immer wieder ein Genuss, dagegen wirkte der kleine Ausflug in die Piratenecke etwas fehl am Platz.



Am Ende gab es, auch wie immer, oh Wunder, die Biertaufe. Zwei Zuschauer ließen diese Zeremonie über sich ergehen, aber leider ist das auch nichts Besonderes mehr.

Fazit: Ich hatte mir von dem Unplugged Auftritt wesentlich mehr erwartet, allerdings wirkten Feuerschwanz an diesem Abend erheblich seriöser und man konnte sie als Gruppe auch ernst nehmen. Das hatten sie vor allem der fehlenden Metmaschine zu verdanken. Gut, für sie geht das Konzept auf, aber wie lange noch?

Weitere tolle Bilder von Peter Seidel: http://www.metalspotter.de/konzerte/feuerschwanz-09.03.2012/

Samstag, 10. März 2012

Konzertreview: 24.02.2012 Boppin`B - Hellabama Honky Tonks

Feuer unter den Sohlen

Ein laues Lüftchen streift durch mein Haar, die Straßen für mich und meinen Cadillac sind frei. Im Radio trällert Buddy Holly seinen Hit Peggy Sue. Der Wind rauscht ein wenig und den Petticoat, die Sommerstrahlen kitzeln auf der Nase.

Ein "Wo ist deine Karte?" riss mich aus meinem Tagtraum. Um mich herum ein paar Mädels in Petticoats und Blümchen im Haar. Auch sie bereit für die Zeitreise in die 50er Jahre? Es warteten zwei tolle Bands mit Rock´n´Roll Musik auf uns, die sich der Herausforderung stellten. Gespannt war ich, ob es ihnen wohl gelingen würde, meinen Tagtraum Wirklichkeit werden zu lassen. Ein wenig enttäuscht war ich dennoch von den Angereisten. Es hatten sich nur wenige Mädchen in Schale geschmissen und auch nur einige Halbstarke standen zu Tolle und umgeschlagenen Jeanshosen. Ich hatte wesentlich mehr erwartet. Schade. Trotzdem tat es der Stimmung keinen Abbruch.

Nachdem sich die Halle nun langsam füllte und auch die ersten Reihen, ging es um kurz nach acht los mit der Reise in die Vergangenheit. Die Jungs von den Hellabama Honky-Tonks machten den Anfang. Sie selber beschreiben ihre Musik als High Octane Hillbilly Rock´n´Roll! Was bedeutet das? Die Mischung aus Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug erinnert an einen schweren V8 Motor. Die Musik ist schnell, dreckig und laut. Sie verliert aber nie das Gefühl für Groove und Melodie. Die Takte lassen das Publikum sofort ins Swingen verfallen. Die Füße heben sich vom Boden, ein Lächeln zaubert sich in die Gesichter. Sofort waren sie wie hypnotisiert und genossen das Konzert. Wie ich bei der Beschreibung schon erwähnte, war die Musik sehr schnell, ruhige Töne wären aber auch fehl am Platz gewesen, wollten doch alle nur tanzen und nicht schunkeln. Der Sound verteilte sich hervorragend in der Halle, die Mischung war sehr gut. Mit ihrer Energie und ihrem Engagement auf der Bühne hatte die Band keine Schwierigkeiten immer wieder Schwung und Freude zu versprühen. Es war ein hervorragend gelungener musikalischer Auftakt für den Abend. Die Füße hatten sich eingetanzt und wollten definitiv mehr.

Nach kurzer Umbauphase wurde die Bühne voll. Geballte Manneskraft verteilte sich auf Saxophon, Gitarren und Kontrabass. Sänger Michael Treska legte mit seiner "Scheißkapelle" sofort los. Die starke Stimme und die ersten Töne ließen die Fans jubeln. Schwungvoll, rockig und explosiv folgte ein Titel dem anderen. Dass Boppin`B bereits seit 1985 die Bretter stürmen und die Menschen begeistern, spürt man deutlich. Sie harmonieren fantastisch miteinander, großes Vertrauen ist gegeben, vor allem bei den akkrobatischen Darbietungen. Diese wurden stets mit Jubel und Applaus belohnt. Das Münchner Publikum war an diesem Abend sehr entspannt und locker, keine verkrampften Zurückhaltungen. Sie ließen Spaß und Freude einfach raus. Nachdem uns Boppin`B zunächst mit eigenen Kompositonen begeistert hatte und die Stimmung eh schon am Höhepunkt war, gaben sie nun diverese Coverversionen zum Besten. Hits von Sascha und Roxette heizten den Fans nochmal richtig ein. Es wurde mitgesungen und gefeiert. Die Band überzeugte mich total. Es machte einfach nur Spaß ihnen zuzusehen und zu lauschen. Diese Energie und Freude auf der Bühne konnten gar keine andere Wirkung erzielen. Da konnte keiner ruhig in der Ecke stehen, selbst diejenigen ohne Taktgefühl bewegten sich. Nach guten zwei Stunden ließ man sie aber nicht einfach so von der Bühne treten. Natürlich verlangte man nach Zugabe. Eigentlich sollte der Abend nie enden. Doch nach einer sehr ungewöhnlichen aber tollen Boppin`B Version von "Wind of Change" mussten die Fans die Halle dann doch verlassen.

Vorher kaufte man noch den halben Merchstand leer. Beide Bands hatten viele tolle Sachen dabei. Von Voodoopüppchen über Unterhöschen bis hin zum Haarschmuck, T-Shirts und Collegejacken konnte man alles kaufen. Fazit: Ein wunderschöner Abend, mit sehr geiler Musik, fast durchgetanzten Schuhen und angekratzter Stimme vom Singen und Jubeln. Beim nächsten Mal bin ich auf jeden Fall wieder dabei.


Rezension: Jack Ketchum - Wahnsinn

Auf der Suche nach Gerechtigkeit




Lydia und Arthur wachsen in der gleichen Stadt auf, besuchen dieselbe Schule ohne aneinander Interesse zu finden. Jahre später treffen sie sich, lernen sich besser kennen und lieben. Das Glück wird gekrönt mit der Geburt ihres Sohnes Robert. Doch der Junge beginnt sich zu verändern, zieht sich zurück und reagiert empfindlich auf Berührungen. Und er ist nicht der Einzige, der die Charakterzüge ändert. Arthur zeigt sein zweites Gesicht, die Gewalt kann er nicht mehr kontrollieren. Lydia hat Angst um ihren Sohn und sich selbst.

Jack Ketchum ist einer der beliebtesten Autoren der Horrorliteratur. Sein Einstieg mit Beutezeit verhalf ihm zu einem hervorragendem Ruf. Das es nicht immer um Metzelei, Kannibalismus und Schlachtereien gehen muss, zeigt er in dem Roman Wahnsinn. Diesmal rechnet er mit einem anderen, noch schwerwiegenderem Thema ab: Dem Kindesmissbrauch und häuslicher Gewalt. Mit Wahnsinn zeigt er eine ganz andere Seite von sich selbst. Am Anfang des Buches wird der Leser mit verschiedenen Geschichten und Erlebnissen konfrontiert. Hier muss man sich sehr konzentrieren, um den Faden nicht zu verlieren. Doch wenn man einmal im Lesefluss ist, kann man sich nicht stoppen. Der Schreibstil, wie immer eine klare Linie. Er verzichtet diesmal stark auf Einzelheiten von sadistischen Handlungen, geht aber ausführlicher und detaillierter auf die Charaktere ein. Er schildert Empfindungen, Gedanken und den inneren Kampf des Sohnes sehr gut. Dieses Hin- und Hergerissen Sein zwischen Vater und Mutter ist für den kleinen Jungen ein wahrer Kampf. Ein Ketchum wäre aber kein Ketchum, wenn auch nicht hier Gewalt eine Rolle spielt. Es sind allerdings nur vereinzelte Passagen, die wirklich erschrecken und mich schaudern ließen. Doch manchmal braucht man klare Worte, um zum Nachdenken angeregt und wachgerüttelt zu werden. Ich war fasziniert von Lydia, eine sehr starke Frau mit einer mutigen und selbstbewussten Persönlichkeit, die keine Scheu zeigt, in den Widerstand zu gehen und für das zu kämpfen, was ihr wichtig ist. Ich wünschte mir, es würden mehr Frauen, die sich in so einer Situation befinden, den Mut haben, um aufzustehen und zu sagen: "Nein! Du tust uns nicht mehr weh!" Wie schon gesagt, manchmal muss man vielleicht etwas härter mit einem Thema konfrontiert werden, um aufzuwachen.

Fazit: Nach der letzten Enttäuschung, ist Wahnsinn definitiv ein Buch, welches ich weiterempfehlen möchte. Natürlich beschäftigt man sich ungern mit dem Thema Kindermissbrauch, doch heutzutage ist es leider schon fast Alltag. 

5/5

Verlag: Heyne Hardcore
352 Seiten
Autor: Jack Ketchum
8,95 Euro