Dienstag, 1. Mai 2012

Rezension: Andreas Gruber - Schwarze Dame

Wahnsinn und ein perverses Spiel



Peter Hogart ist Privatermittler. Gleich zwei Aufträge warten darauf, von ihm gelöst zu werden. In Prag sind 13 wertvolle Bilder eines bekannten Künstlers verbrannt. Handelt es sich hierbei um Versicherungsbetrug? Und wo ist die Kollegin, die sich schon seit Wochen um den Fall kümmerte? Von Wien aus begibt er sich auf den Weg in die "Goldene Stadt". Dort angekommen macht er sich mit seinen Fragen und Ermittlungen schnell unbeliebt. Schläger hängen ihm bald an den Fersen. Dabei lernt er Ivona kennen, diese ist selbst Privatdetektivin und untersucht gerade für den Botschaftsvorsitzenden mehrere bizarre Verstümmelungsmorde. Nachdem die Beiden nach gemeinsamen Nachforschungen selber fast zu Opfern werden und nur knapp dem Tod entrinnen können, erkennen sie: Es gibt zwischen den Fällen eine Verbindung.

Andreas Gruber wurde 1968 in Wien geboren und begann seine Schriftstellerkarriere im Jahr 2000 mit der Kurzgeschichtensammlung "Der fünfte Erzengel". Damit erreichte er 2001 den vierten Platz beim Deutschen Phantastik Preis. 2007 startete er die Peter-Hogart-Reihe. Neben "Schwarze Dame" erschien bis jetzt der zweite Teil "Engelsmühle".

Bis man sich in die Geschichte eingelesen hat, dauert es ein Weilchen. Ich brauchte viel Geduld und Zeit für dieses Buch. Es zieht sich alles ein wenig in die Länge, besonders zu Beginn wartet man regelrecht auf die ersten Highlights. Das Einzige, was mich zunächst weiterlesen ließ, war die wundervolle und ausführliche Beschreibung Prags. Der Autor geht bis in jede kleinste Einzelheit, oft werden einige Ansichten der Stadt sehr romantisch geschildert. "...Die Hotelschiffe...,wie Irrlichter trieben sie auf der Wasseroberfläche." (S.49), "...eine feuchte, bleierne Nebelbank vom Fluss ans Ufer kroch..."(S.170). Ein Grund mehr für mich als Pragbegeisterter, wieder einmal hinzufahren und die Stadt vielleicht mit ganz anderen Augen zu betrachten. Das ist Andreas Gruber sehr gut gelungen. Während des Lesens gewinnt die Geschichte endlich an Spannung. Die Hauptcharaktere werden von einem Hinweis geschickt zum nächsten geführt, natürlich sind hier die Nebendarsteller sehr wichtig. Obwohl die Polizei nicht begeistert ist von den eigenständigen Ermittlungen der Beiden, geben befreundete Kollegen Ivonas immer wieder Tipps hinter dem Rücken des Vorgesetzten. Oder der gefährliche Unterweltboss, der mit Rat und Tat zur Seite steht. Sobald man sich eingelesen hatte und in den Bann gezogen wurde ist es reinstes Lesevergnügen, doch das fand leider erst bei den letzten 100 Seiten statt. Schade fand ich auch, dass man auf die verbrannten Gemälde erst im Epilog wieder aufmerksam gemacht wird. Sonst erscheinen sie im Buch kein weiteres Mal.

Trotz der fehlenden Spannung am Anfang und der etwas zähen Handlung, gefiel mir das Buch aber ganz gut. Um die Mordfälle zu lösen und Hogarts Kollegin zu finden, mussten Ivona und Peter Hogart viel Taktik aufbringen und viel recherchieren. Ich selber grübelte mit und versuchte ein Teil des Ermittlungsteams zu werden. Für jeden, der ein wenig Köpfchen beim Lesen anwenden möchte, ist das Buch auf jeden Fall zu empfehlen. Den zweiten Teil werde ich mir zum Vergleich zu Gemüte führen.  

3/5

Festa Verlag
271 Seiten
Autor: Andreas Gruber
13,95 Euro  

Mittwoch, 25. April 2012

14.04.2012 DMF München

München glänzt sonst nicht gerade mit Angeboten für die Anhänger der schwarzen Szene, so war die Verkündung des anstehenden Dark Munich Festivals eine willkommene Veranstaltung. Gerade die EBM-Fans kommen immer recht kurz, umso mehr sollte sie es freuen, mit welchen Bands der Veranstalter lockte. Wenn man das Line-Up sah und Größen wie Agonoize und Kirlian Camera las, musste man sich unbedingt eine Karte kaufen. Geboten waren 20 Bands, zwei Shows und im Anschluss natürlich die Aftershow Parties, und das verteilt auf die Theaterfabrik und die Garage in den Optimolwerken. Endlich ist wieder ein Zeitpunkt gekommen um die schicken Klamotten aus dem Schrank zu holen und sich in Schale zu werfen.




Um 12 Uhr am Mittag war Einlass, tatsächlich hatten es auch schon einige aus den Betten geschafft, um von Anfang an dabei zu sein. Wer wollte, konnte sogar noch ein paar Soundchecks miterleben oder schon mal den kleinen Gothicmarkt ums Eck besuchen. Dort hatte der Fallen Angel Store aus Germering ein paar Stände aufgebaut und bot einiges an Zubehör und Kleidung an. Ebenfalls in dem Nebengebäude befanden sich die Merchstände und es fanden zu bestimmten Zeiten auch Autogrammstunden statt.

Mila Masu - Electronic-Pop Welt meets Punk-Rock Queen
So sollte es um 13 Uhr sein. Pünktlich kamen die Musiker auf die Bühne und bretterten auch sofort los. Die Fabrik hatte vielleicht 50 Besucher zu diesem Zeitpunkt verschlungen, die nun ihren Blick Richtung Band wandten. Die Füße wippten, einige Köpfe wogen im Takt der Musik mit und Mila genoss auf der Bühne ihren Auftritt. Ein kleiner Wirbelwind, der mit kräftiger Stimme ihre frechen Texte widergab. Ein sehr gelungener Auftakt, den aber nur wenige genießen konnten.



Die Italienische Band Naughty Whisper hatte einen etwas längeren Anfahrtsweg aus Mailand. Auch zu einer eher unchristlichen Stunde, um kurz vor 14 Uhr, begann der Auftritt der Jungs. Rockig ging es nach Mila weiter, keine ruhige Minute für die Füße. Der Sound der Fabrik war erstaunlich gut, das zog sich auch über den gesamten Abend hinweg. Manchmal hätte weniger Bass mehr gebracht, aber das sind Kleinigkeiten. Das Programm am Anfang schien geprägt zu sein von Rockmusikern.



Die Dessauer Band Winterspring trat in die Fußstapfen ihrer Vorgängerkollegen und rockte die Fabrik. Diese hatte sich endlich ein wenig gefüllt, so dass etwas mehr Zuschauer den melancholischen und rockigen Klängen lauschen konnten. Eine junge Band, die auf der Bühne einen sehr guten und auch sympathischen Eindruck vermittelte.



Teils ruhig, melancholisch, aber auch rockig und orientalisch begleitete die Band Schöngeist dann das Publikum in das Nachmittagsprogramm. Das Licht düster, passend zum Festival. Die tiefe Stimme ging teilweise ein wenig im Instrumentenklang unter, so dass man nicht immer den Text verstehen konnte. Timur, der ja in München aus der Szene auch nicht mehr wegzudenken ist, gab sein Bestes und versuchte mit Blick und Mimik die Menschen in den ersten Reihen zu verzaubern.



Man verbindet mittlerweile nicht mehr nur die Reeperbahn mit Hamburg. Man muss nur Lord of the Lost sagen. In den letzten zwei Jahren haben sie deutlich an Bekanntheitsgrad gewonnen, lag das nicht zuletzt auch an der Tour mit Eisbrecher, die ja auch in München Halt machte. So war es nicht verwunderlich, dass die Halle auf einmal fast zur Hälfte gefüllt war. Mit bewährtem und bekanntem Programm hatten sie die Fans schnell im Griff. Vor allem den Mädels in der ersten Reihe wurde es nicht zuletzt wegen des Anblicks von Chris und Co heiß. Die Bühne gehörte ihnen, Chris nutzte die ganze Stage für sich. Im Gegensatz zum letzten Auftritt muss ich sagen, sie waren dieses Mal deutlich ausgeschlafener und schmutziger. Endlich mal wieder so, wie ich sie schon bei Mono Inc. erlebt hatte. Zu guter letzt gab es für Gared noch einen dicken Kuss von Kollege Harms.



So schnell sich die Halle auch füllte, umso schneller war sie auch wieder fast leer. Whispers in the Shadow kamen in düsterem, nebligem Licht auf die Bühne mit einem Intro, das mystisch wirkte. Seit 1996 sind sie im Geschäft schon aktiv. Leider trafen sie an diesem Abend nicht bei allen den Geschmack. Doch gegen eine kurze Tanzpause hatte sicherlich niemand was einzuwenden.

Schließlich ging es jetzt richtig los. Sämtliche EBM Fans und Cybers hatten bislang Zuflucht gesucht in der Garage, da gab es jede Menge tanzbare Musik. Von Enter and Fall, Stahlnebel bis hin zu Dive und Eisenfunk konnte man sich hier die Füße wund tanzen. Leider war die Garage immer recht überfüllt, teilweise ließ man auch gar keinen mehr hinein. Vielleicht war die Garage als zweite Location nicht gut gewählt. Aber wer es kuschelig mochte, war da gut aufgehoben.

In der Fabrik machte sich Tyske Ludder warm. Mit dröhnenden elektrischen Beats ging es auch gleich von Beginn an zur Sache. Seit 1989 hält sich die Band jetzt schon und verwöhnte ihre Fans, erst im letzten Jahr wieder mit einem neuen Album. Leider waren der Bass und das Gestampfe für mich unerträglich und ich suchte Frischluft auf. Das war kein Fehler, denn von draußen kam man in den selben Genuss der Musik. Natürlich hatte ich nicht die passende Atmosphäre und Intimität, aber das nahm ich in Kauf.

Für alle, die den 80ern Dark Wave nicht erleben konnten, gab es einen Einblick. Clan of Xymox verzeichneten in den Jahren immer wieder Erfolge. Mit leichten The Cure Touch trat Sänger Ronny Moorings ans Mikrophon und versetzte uns zurück in die gute alte Zeit. Das Licht leider eine Katastrophe für die Fotografen, aber dafür konnte man sich auf die Musik konzentrieren. Für mich leider viel zu kurz, hätte den Klängen gerne noch länger gelauscht.

Es sprühten Funken. Stillstehen? Was ist das? Voller Energie und wie Gummibälle sprangen Pascal und Jan von [X]-RX auf der Bühne herum. Doch die Halle fand es gut, bejubelte die zwei, die mit ihren elektronischen Rave-Klängen und harten Rhythmen das Publikum ordentlich animieren konnte. Verschwitzt und bei bester Laune knallte den Zuhörern ein Titel nach dem anderen vor die Füße. Es hatte sich eine kleine Gruppe in eine Ecke verzogen und tanzte wie in Trance zu den Beats. Ein sauberer Auftritt der Jungs, hat sicherlich nicht nur ihnen und mir Spaß gemacht.



Nach der ganzen Musik musste eine Pause her, bevor es zu den Hauptacts ging. Ophelia Overdose, ein Fetisch -, Fantasymodel aus Essen hatte eine kleine Show geplant. Im schwarzen Umhang zur ruhigen düsteren Musik betrat sie die Bühne und entledigte sich nach und nach ihrer Kleidung. Unter ihrem Gewand trug sie einen weißen BH und einen Nylonanzug. Verführerisch tanzend zog sie die Blicke auf sich, versuchte zu betören. Drei Ballons, mit Kunstblut gefüllt, wurden dann passend zur Musik zerstochen und verspritzt. Nach circa zehn Minuten war die Show vorbei. Es blieben fragende Blicke bei den Zuschauern zurück. Was wollte sie uns jetzt damit erzählen? Der Applaus fiel auch dementsprechend spärlich aus.



Agonoize sind bekannt, auch für ihre Show. Schon im Vorfeld hieß es für die Fotografen: Passt auf, es kommen vier Liter Kunstblut runter. Also in Deckung gehen. Die Texte sind nach wie vor recht einfach gehalten, doch die meisten hatten recht gut getankt und interessierten sich nur für Beats und Show. Auch der Doktor schlich sich auf die Bühne. Mark Benecke war den ganzen Tag über schon zu Gast und hatte sich unters Volk gemischt. Für die Show stellte er sich zur Verfügung. Und die Menge war jetzt schließlich so heiß, dass der Hauptact kommen konnte.

Seit 30 Jahren existiert die Band Kirlian Camera. In Parma gegründet können sie uns mit einer ordentlichen Discographie beeindrucken. Natürlich hat sich die Besetzung mehrfach geändert. Seit dem Jahre 2000 ist Sängerin Elena Fossi dabei, die mit ihrem Äußeren schon allein die Männer sicherlich sehr anspricht. Düster, geheimnisvoll und anmutig bewegt sie sich zu den Dark Wave-Electronic Klängen. Stimme klar, keine Patzer, dazu ist sie auch zu sehr Profi. Die Masse ließ sich verzaubern und war begeistert von dem Finale an diesem langen, tollen und aufregendem Festivaltag.



Das erste Dark Munich Festival war aber noch nicht zu Ende. Wer noch Lust, Atem und Kondition hatte, konnte bei den anschließenden Aftershow-Parties den Erfolg der Veranstaltung feiern. Ein ganz großes Dankeschön geht an diesen. Die Organisation war hervorragend, es gab kaum Verzögerungen, die Musik war gut abgemischt. Klar passieren auch mal ein paar Pannen, aber diese sind nicht erwähnenswert. Ich würde mich freuen, im nächsten Jahr wieder dabei sein zu dürfen. Es hat sehr viel Spaß gemacht.

Mittwoch, 4. April 2012

Rezension: S.G.Browne - Schicksal

Das Schicksal entscheidet



Sergio ist das Schicksal. Als er vor hunderten von Jahren den Job von Jerry, auch als Gott bekannt, bekommen hatte, wusste er nicht, was auf ihn zukommen würde. Nach all diesen Jahren und verteilten Schicksalen wird Sergio langweilig, er sucht nach einer neuen Aufgabe. Und diese kommt schneller als er denkt. Er verliebt sich in Sara, eine Sterbliche. Damit geht er ein hohes Risiko ein, denn Liebschaften zwischen Menschen und Unsterblichen sind verboten. Jerry wird aufgrund der intensiven Arbeit davon sicherlich nichts mitbekommen. Wie sich herausstellt, eine folgenschwere Fehleinschätzung.

Nachdem ich den Klappentext des Buches gelesen hatte und ich bei den Zeilen schon zum Schmunzeln verleitet wurde, dachte ich, es muss ja nicht immer Horror sein, lese ich doch mal ein lustiges Buch. Nach den ersten Seiten wird mir aber schon bewusst, dass die Geschichte auch einen tieferen Sinn verfolgt. Sergio hat es nicht leicht als Schicksal zu arbeiten. Meistens sind es negative Erlebnisse und Zukunftsaussichten, die er an die Menschen verteilt. Er leidet sehr darunter ständig derjenige zu sein, den die Menschen hassen. Besser ergeht es da Bestimmung, sie verteilt hohe und wichtige Positionen, die bedeutenden Veränderungen in der Weltgeschichte bringen. Selbst Misserfolg und Unglück werden bei den Menschen noch mit mehr Würde betrachtet. Die Darstellung der verschiedenen Aufgaben der jeweiligen Tugenden oder Empfindungen ist sehr bildlich und genau. Man wird sich bewusst, wie viele unterschiedliche Gefühle das Leben bestimmen können und wie sie alle am Ende zusammenarbeiten. Es vermischen sich philosophische Gedanken mit einem gewissen Humor und Ironie. Die witzigen Passagen schaffen es, die nachdenklichen Momente wieder ein bisschen zu versüßen. Zum Beispiel hat der Tod Teddy eigentlich Angst vor Leichen, Völlerei geht in Jogginghosen und Hawaiihemden zum Essen und Faulheit leidet unter Narkolepsie. Und man wird feststellen, dass auch Unsterbliche in Sachen Liebe nicht anders empfinden als wir Menschen.

Das "Schicksal!" liest sich sehr angenehm. Es fesselte mich jetzt nicht so, dass ich es ständig vor Augen haben musste, aber zum Abschalten und Abtauchen war es genau das Richtige für mich. Ich hatte es mir noch eine Spur witziger vorgestellt, gefallen hat mir aber sehr gut. Für einen gemütlichen Abend würde ich es auf jeden Fall empfehlen, um sich auch selbst wieder bewusst zu werden, dass man auch aus der vorgegeben Spur ausbrechen kann, um etwas zu ändern.

Nicht immer muss das Schicksal gewinnen!

Zum Autor:
Scott G. Browne wurde in Arizona geboren und wuchs in der Nähe von San Francisco auf. Er absolvierte ein Managementstudium in Kalifornien und stellte dabei fest, dass seine eigentliche Leidenschaft das Schreiben ist. Trotzdem arbeitete Scott eine Zeit lang als Produzent für Fernsehspots und Filmtrailer bei den Disney-Studios und als Büromanager. 2009 veröffentlichte er seinen ersten Roman, „Anonyme Untote“, dem 2011 „Schicksal!“ folgte.

3/5

Verlag: Droemer-Knaur
410 Seiten
Autor: S.G. Browne
14,99 Euro

Donnerstag, 29. März 2012

Der Frühling ist da!

Rezension: Carlton Mellick III - Die Kannibalen von Candyland

Kein Zuckerschlecken




Franklin hasst Kinder, liebt Tiere und die Farbe Rot. Angst hat er vor Allem. Als kleiner Junge sieht er die Frau mit dem rosa Zuckerhaar zum ersten Mal. Sie verströmt einen berauschenden Erdbeerduft, der Kinder willenlos macht. Dann werden sie gefressen. Franklin versucht die Zuckermenschen zu finden und zu beweisen, das sie tatsächlich existieren. Per Zufall findet er den Zugang in das unterirdische Candyland und trifft auf die Frau mit dem rosa Zuckerhaar. Eine Flucht ist ausgeschlossen, so muss er mit Haut und Haar als Sexsklave dienen.

Das Cover des Buches weckte mein Interesse. Die Gestaltung der Zuckerfrau und die Farben allein berauschen schon. Der neugierige Leser wird aufgefordert der Zuckerlady den Bauch zu streicheln. Das setzt einen Erdbeerduft frei. Der betörende Geruch benebelt meine Sinne. Ich kann nicht anders: Mit den klebrigen Erdbeerfingern öffne ich das Buch und lese gebannt die ersten Zeilen. Die Geschichte ist auf rosa Seiten geschrieben, aber das wirkt sich nicht negativ auf das Lesen aus. Es verstärkt eher noch die Fantasie. Und wer sich auf dieses Buch einlässt, braucht definitiv viel davon. Die Beschreibung des Candylandes fällt prachtvoll aus, man kann förmlich den Zuckerstangenwald vor sich sehen, ebenso den kleinen Marshmallowhund. Was um Gottes Willen sind Zitronenschweine und Gummigoblins? Falls Männer dieses Buch lesen wollen: ihr werdet die Art lieben, wie man eine Zuckerfrau entjungfert. Auf Dauer wird diese Befriedigungsmethode aber wohl eher zur Qual. Der Schreibstil ist sehr ansprechend, die bizarren Szenen verleiteten mich dazu, immer weiterzulesen und zu schmunzeln. Es ist bizzar, verrückt, einfach bekloppt. Doch wer sich damit anfreunden kann, dem wird dieses Buch sicherlich gut gefallen. Man fragt sich während des Lesens, was in einem nur vorgeht, das man so etwas schreiben kann. Wie kommt man auf solche Ideen? Irgendeine Schraube scheint da etwas locker. Leider ist es nur ein kurzes Lesevergnügen, doch es lohnt sich. Die Absurdität wird einfach verführen.

Zum Autor: Carlton Mellick III wurde 1977 in Arizona geboren und gehört zu der "Bizzaro"-Bewegung, neben Steve Aylett und Chris Genua. Mellicks literarisches Wirken wurde bereits als eine Kombination von „trashigem Schlock, Sci-Fi/Horror und postmoderner Literatur“ bezeichnet. Seine Romane, versetzt mit einem Touch Science Fiction, erkunden surreale Parallelwelten der Gegenwart, ergänzt durch Sozialsatire und dem Spielen mit Absurditäten. Bereits mit 18 Jahren hatte er zwölf Romane vollendet.

5/5

Verlag: Festa Verlag
Autor: Carlton Mellick III
158 Seiten
16,80 Euro

Montag, 12. März 2012

Konzertreview: 10.03.2012 Omnia, Backstage Halle München


Seit 2002 sind Omnia unterwegs. Die Musiker wechselten zwar immer wieder, doch der Kern blieb bestehen. Steve und Jenny gewannen für ihre Touren unterschiedliche Künstler, die sie begleiteten. So war es auch an diesem Abend nicht verwunderlich, dass neue Gesichter zu sehen waren. Die Holländer haben allerdings die Münchner fast vier Jahre warten lassen. Doch umso größer war die Neugier der Fans.
Somit war es nicht verwunderlich, dass es zahlreiche Besucher in die Backstage Halle lockte.



Das Warten nach dem Einlass schien kein Ende zu nehmen, aber pünktlich um 20 Uhr betraten die Musiker die Bühne. Nach dem ersten Song war klar, das wird ein toller Abend mit berauschender Musik. Das nahmen einige der Gäste wortwörtlich. Fast wie in Exstase und wie berauscht tanzten sie zu den Liedern und ließen ihren Gliedmaßen freien Lauf. Nicht immer sah es elegant aus, teilweise schmunzelte man bei diversen Zuckungen. Musikalisch war es wie in einem Traum. Die verschiedenen Akkustikinstrumente wurden professionell geführt und eingesetzt. Da spürte man die Erfahrung der Band. Sie selber betonten, dass man für gute Musik locker auf die E-Gitarren usw. verzichten kann. Und da hatten sie definitiv recht, demonstrierten sie es uns doch deutlich. Ich war hin und wieder versucht, die Augen einfach zu schließen. Das Gefühl, das mich durchströmte war wunderbar. Man musste sich einfach an einen anderen Ort denken. Auf eine Wiese mit Lagerfeuer und Musik von Omnia, dazu ein paar Freunde, die sich von der Musik leiten lassen. Schon vergaß man Raum und Zeit. Die rein instrumentalen Stücke zauberten eine Gänsehaut, die sich schwer abschütteln ließ. Aber wollte man dies? Die Klänge der Harfe versetzten jeden einzelnen in einen Tagtraum.



Die Botschaften von Omnia sind klar und deutlich. Steve versuchte uns immer wieder daran zu erinnern, wie wichtig die Natur ist, dass wir ohne sie nicht leben können und dass die Welt um uns herum so oder so schon grau genug ist. Die Natur kann uns nicht mitteilen wie es ihr geht: "I don´t speak human". Wir sollten ausbrechen aus unseren Boxen und etwas verändern, noch ist es nicht zu spät. Wir sollten uns frei machen von Zwängen, eigenständig sein und leben.

Die Band machte es uns vor, sie fühlten sich auf der Bühne frei, waren voller Energie und hatten sehr viel Spaß. Die gute Laune sprang auch auf das Publikum über und ließ keine Mundwinkel nach unten zeigen.



Fazit: Es war ein fantastischer Abend mit genialer Musik, sehr, sehr guten Musikern und einer super Stimmung. Sehr gerne wieder.

Weitere tolle Bilder von Peter Seidel: http://www.metalspotter.de/konzerte/Omnia-10.03.2012/