17.01.2012 Evile – Portrait – Dr. Living Dead, Backstage Club
Wer Lust hatte auf britischen und schwedischen Metal, kam am 17.01. in den Club. Und so wie es aussah, hatten ca. 70 Leute richtige Lust auf harte Töne.
Die noch recht neue schwedische Band Dr. Living Dead machten den Anfang.
Das Intro, mit dem die Band die Bühne betrat, erinnerte zunächst an einen Bombenangriff. Die Musiker kamen auch dementsprechend auf die Bretter gestürmt. Ein sofortiger Hingucker, die Skelettmasken auf den Köpfen der Mitglieder. Ein wenig amüsant aber dennoch beeindruckend. Mit den ersten Tönen und Klängen hatten sie sofort ein paar angereiste und eingefleischte Fans zum Springen und Bangen animiert. Das zog sich durch den gesamten Auftritt. Die Stimmung der feiernden Jungs ging aber nur bis in die zweite Reihe über, die restlichen standen eher kopfnickend an der Bar. Die Band sagt selber, sie seien Perfektionisten, setzen sich regelrecht unter Druck und wollen immer ihr Bestes geben. So auch an diesem Abend. Mehr Speed und Trash ging fast nicht. Die Instrumente schrien förmlich nach Pause, doch die Musiker hatten kein Erbarmen. Mir hat der Auftritt sehr gut gefallen, diese Band hat alles, um in der Metalszene zu bestehen. Ein sehr stimmiges Konzept.
Weniger Vergnügen bereitete die nächste Band. Es wurde mystisch, leicht esoterisch, ja fast satanisch. Kerzen und Räucherstäbchen? Erwartungsvoll war der Blick zur Bühne. Gitarristen und Schlagzeuger in engen Röhrenjeans mit Nietengürteln und Lederwesten versprühten noch einen Metalfunken. Der Sänger von Portrait, Per Karlsson, legte einen ganz dramatischen Auftritt hin. Anmutig, mit einem Totenschädel in der Hand und umgedrehten Kreuz auf der Brust, schritt er zu seinem Mikrophon. Andächtig legte der den Schädel zu den Kerzen. Gut, Neugier hatten sie geweckt. Wer jetzt auf harten Metal wartete, konnte lange warten. Es gab keine tiefen Crawls, ein fast lieblicher, heller Klang erfüllte den Club. Auch wenn mich die Tonvariationen nicht begeisterten, die Bühnenpräsenz, Gestik und Mimik des Sängers ließen auch mich den Inhalt der Texte spüren. Im Gegensatz zum Sänger der ersten Band, der nicht wirklich stillstehen konnte, passierte bei Portrait nichts auf der Bühne. Keiner verließ seinen Posten, keiner machte eine witzige Geste oder lachte. Langweilig fand es dann auch der Totenschädel, der sich vom „Altar“ verabschiedete und auf dem Boden zerbrach. Ob das ein schlechtes Omen für die Band war? Der Applaus beim Anschluss fiel recht gut aus. Den anderen Zuhörern hatte dieser etwas bizzare Auftritt wohl besser gefallen als mir.
Zum Glück hatte man das Highlight noch vor sich.
Evile betraten die Bühne. Ein kraftvolles und starkes Auftreten, das symbolisierte, sie haben Bock zum Spielen. Das konnte man sehr gut bei dem Schlagzeuger der Band beobachten. Fast hibbelig und nervös saß er hinter seinem Instrument. Und mit den ersten Drums war klar: Das wird noch ein toller Abend. Die ausdrucksstarke Stimme des Sängers Matt Drake hallte durch die Räumlichkeiten. Mit emporgehobener Faust und starken Ansagen animierte er die Fans. Immer wieder gab es einen kleinen Moshpit, Gott sei Dank war ja dafür noch genug Platz, bei dem die halbstarken Metaller ihre Aggressionen auslassen konnten. Ein paar Stage Diver wagten sich von der Bühne, man hatte aber immer ein wenig Bange, ob die Anderen denjenigen auch tragen konnten. Der Club hatte sichtlich Vergnügen an dem Auftritt. Die Band würdigte dies auch mit Applaus und hochgehobenen Daumen. Musikalisch sowie stimmlich gab es nichts auszusetzen. Im Club verfehlte der Sound nicht seine Wirkung. Kein Ton ging unter. „The Killer from the Deep“ hatten an diesem Abend genug Ausdauer und Kraft, sie gaben ihr Bestes.
Fazit: Ein genialer Metalabend, dessen Stimmung nur von Portrait getrübt wurde. Evile und Dr. Living Dead, wer die Chance hat sie zu sehen, sollte es unbedingt.
Bilder gibt es zu sehen bei http://metalspotter.de/konzerte/evile-17.01.2012/
Dienstag, 24. Januar 2012
Rezension: Tom Piccirilli - Der Geruch von Blut
Rezension: Tom Piccirilli - Der Geruch von Blut
Finn ist ein Ex-Polizist und blind. Nach dem Verlust seiner Frau und seines Augenlichtes arbeitet er an einem Internat als Lehrer und versucht seine Vergangenheit zu vergessen. Im größten Schneetreiben findet er ein grausam zugerichtetes Mädchen. Es warnt ihn vor Gefahr, vor dem Tod. Die alten Geschichten holen ihn wieder ein, das Gefühl von Rache und Schuld steigen in ihm auf.Die Begegnung zerrt ihn in einen Strudel von Verrat und Korruption und ein Verdacht läßt ihn noch tiefer in die Katastrophe gleiten.
Tom Piccirilli ist ein amerikanischer Autor, aufgewachsen in New York. Er wurde bereits vier mal mit dem Bram Stoker Award ausgezeichnet und nominiert für den World Fantasy Award.
Das Cover mit dem schwarz - weiß gezeichnetem Wald und dem Blutfluss hatten mich dazu gebracht, mir das Buch näher anzuschauen. Nach der kurzen Inhaltsangabe auf der Buchrückseite war klar: Das muss ich lesen. Die ersten Seiten waren schnell verschlungen, in mir regte sich aber langsam etwas Langeweile. Außer Rückblicke und diversen Gefühlslagen des Hauptcharakters Finn ließ jede Spannung auf sich warten. Mit dem gefundenen Mädchen dachte ich dann, jetzt gibt es die Wende. Neugierig las ich weiter, doch Enttäuschung machte sich bald wieder breit. Erneut kamen Szenen aus der Vergangenheit. Natürlich sind diese wichtig für den gesamten Aufbau, damit man dem Gefühlschaos folgen kann. Doch mich interessierte das wenig. Ich hatte ein Heyne Hardcore Buch vor mir liegen und musste auf Hardcore warten. An einigen Stellen wurden schließlich doch mal Messer gewetzt und es floss auch mal Blut, doch meiner Meinung nach gibt es wesentlich härter geschriebene Bücher, die nicht unter dem Label "Hardcore" laufen, es aber eher verdient hätten. Die Geschichte an sich ist stimmig und hat einen roten Faden, der nicht unterbrochen wird, man spürt die Verzweiflung Finns und versucht sich vorzustellen, wie es einem selber gehen könnte, als Blinder, in diesen Situationen. Es ist bewundernswert, wie er mit seiner Behinderung umgeht und immer den richtigen Weg einschlägt, die geschärften Sinne kommen ihm da zugute. Erleichtert schloss ich nach der letzten Seite das Buch. Hätte ich es doch am liebsten schon nach 100 Seiten wieder zurück in den Schrank gestellt.
Fazit: Geschichte und Aufbau durchaus interessant und lesenswert, wer Horror, Grusel und Hardcore erwartet sollte sich lieber ein anderes Buch kaufen.
2/5
Autor: Tom Piccirilli
Verlag: Heyne Hardcore 2011
304 Seiten
8,99 Euro
Geschärfte Sinne
Finn ist ein Ex-Polizist und blind. Nach dem Verlust seiner Frau und seines Augenlichtes arbeitet er an einem Internat als Lehrer und versucht seine Vergangenheit zu vergessen. Im größten Schneetreiben findet er ein grausam zugerichtetes Mädchen. Es warnt ihn vor Gefahr, vor dem Tod. Die alten Geschichten holen ihn wieder ein, das Gefühl von Rache und Schuld steigen in ihm auf.Die Begegnung zerrt ihn in einen Strudel von Verrat und Korruption und ein Verdacht läßt ihn noch tiefer in die Katastrophe gleiten.
Tom Piccirilli ist ein amerikanischer Autor, aufgewachsen in New York. Er wurde bereits vier mal mit dem Bram Stoker Award ausgezeichnet und nominiert für den World Fantasy Award.
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| Heyne Hardcore |
2/5
Autor: Tom Piccirilli
Verlag: Heyne Hardcore 2011
304 Seiten
8,99 Euro
Sonntag, 15. Januar 2012
Es gibt kein Entrinnen
Die junge Sportlerin Maria wird aufgrund einer misslungenen Hotelreservierung gezwungen, sich ein Zimmer in dem eine Stunde entfernten Hotel Rushmore Inn zu nehmen. Fernab von jeder Zivilisation, in einem kleinen Wäldchen, befindet sich die Unterkunft. Allein der Anblick bereitet Maria vom ersten Moment an Unbehagen.
Ein Jahr später reisen wieder Athleten nach West Virginia. Letti, Kelly, Florence, Deb und Mal erfahren das gleiche Schicksal. Auch sie müssen auf das Waldhotel ausweichen. Der Weg dahin gestaltet sich schwierig, ohne Wegweiser ist es nur schwer zu finden. Die merkwürdigen Gestalten, denen sie begegnen, stellen sich vor Ort als Hausbesitzer heraus. Dass diese nichts Gutes mit ihnen vorhaben merken sie zu spät. Die missratenen und entstellten Geschöpfe wollen an ihr Blut, um ihr eigenes, krankes zu reinigen. Nacheinander landen die Hotelgäste im Folterkeller und treffen auf die gesuchte und verschollene Athletin Maria.
Felix, der Verlobte von Maria sucht seit Monaten nach seiner Geliebten. Nach unzähligen Hinweisen, die ihn in die Irre führten, schlägt er nun den richtigen Weg ein. Doch einfach gestaltet sich die Rettung nicht.
Jack Kilborn ist ein Pseudonym des Autors Joseph Andrew Konrath, der 1970 in Skokie, einem Vorort von Chicago im US-Staat Illinois, geboren wurde. Leider hatte er unter seinem Geburtsnamen mit seinen Romanen keinen Erfolg, konnte mit seinen Geschichten auch keinen Buchverlag von sich überzeugen. Erst mit dem Namenswechsel und den Horrorgeschichten gelang es ihm die Erfolgsleiter zu erklimmen. Nachdem er mit "Angst" den Lesern bereits zu verstehen gegeben hat, womit sie zu rechnen haben, nämlich Gemetzel, Horror und viel Blut, setzt er mit dem zweiten Buch "Das Hotel" noch einen oben drauf.
Maria wird zunächst nach ihrem Einzug psychisch fertig gemacht. Immer wieder verschwinden Sachen oder sie liegen an einem anderen Ort. Zudem hört sie Geräusche, fühlt sich beobachtet und vernimmt unter ihrem Bett ein Kichern. Die Verwirrung griff auch auf mich, blätterte ich nochmal einige Seiten zurück um nachzulesen, ob sie denn wirklich den Koffer auf das Bett stellte oder nicht doch daneben. Nach zehn Seiten war ich bereits so gefesselt, das ich nicht mehr aufhören konnte. Die Familie, die das Hotel besitzt, besteht aus genmanipulierten Wahnsinnigen blauen Blutes. Sie sind der Überzeugung, Nachkommen des Präsidenten Roosevelt zu sein. Die Vorstellung, dass mich ein zweiköpfiges Monster mit Wolfsrachen und doppelter Daumenanlage angreift, ekelte nicht nur Maria. Ich konnte förmlich die Gestalten vor mir sehen. Die bleichen Gesichter und die veränderten hässlichen Körper. Die Beschreibung der Qualen im Folterkeller, die Bluttransfusionen und die Fortpflanzungsmethoden ließen mich schaudern. Seite um Seite nahm der Horror zu. Die Spannung ließ mich nicht mehr von der Couch. Dann kam die Wende, die Gefangenen konnten sich befreien und versuchten zu fliehen. Dabei stolperten sie über einige in Formalin eingelegte, ebenfalls entstellte Embryos. Der beißende Geruch stieg fast aus dem Buch. Felix hatte sich vorgekämpft, geriet aber selber in die Fänge der Monster. Zusammen mit Marias Bruder konnte er einige der Kannibalen beseitigen. Dank der Erkenntnis, dass es sich hierbei um Bluter handelte, hatten sie nun leichtes Spiel. Für den Leser aber wird es wieder makaber. Die Darstellung der blutenden Kehlen, der herausquellenden Gedärme, der abgehakten Gliedmaßen sowie der brechenden Knochen ist nichts für zarte Nerven. Dass auch meine Nervosität stieg, bemerkte ich daran, dass ich mir immer wieder während des Lesens auf die Unterlippe biss. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich das Buch verschlungen. Die direkte und packende Schreibweise nahmen mich regelrecht mit auf diesen Horrortrip.
Jack Kilborn ist mit seinen Büchern eine tolle Neuentdeckung auf dem Markt. Horror, Abschlachtereien, jede Menge Blut und Spannung werden geboten. Jeder, der darauf steht, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen.
5/5
Und ich würde am liebsten noch mehr geben!
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| Quelle: Heyne Verlag |
Jack Kilborn: Das Hotel
382 Seiten
Heyne Verlag, Deutsche Erstausgabe 01/2012
8,99 Euro
Rezension: Jack Ketchum - EvilDer Keller der Grausamkeiten
David lebt in einer kleinen Vorstadt in den USA in den 50er Jahren. Es ist eine Stadt, in der jeder jeden kennt, hier herrscht noch eine richtige Idylle. David spielt gern mit seinen Freunden am Bach, es sind eben typische 12-jährige, die gern Unsinn machen, im Tante-Emma-Laden Schokoriegel stehlen und Mädchen ärgern. Dann ziehen zwei Neue in die Stadt, Meg und Susan. Deren Eltern sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen und wohnen jetzt bei ihrer Tante Ruth. Diese ist alleinstehend, hat selber drei Kinder, Donny, Ralphie und Willie, und soll sich nun auch um die zwei Waisen kümmern. David findet Gefallen an der zwei Jahre älteren Meg, sie ist anders als die Mädchen, die er bis jetzt kannte. Doch schnell fällt ihm die Veränderung an ihr auf, sie wirkt immer zurückhaltender und abwesend. Ruth wohnt mit den Jungs im Haus nebenan. Bei einem Besuch wird ihm klar, warum sich Meg verändert: Zur Putzfrau abkommandiert hält sie das Haus ihrer Tante in Schuß, doch diese ist nicht immer zufrieden und lässt ihre Wut mit Schlägen an beiden Mädchen aus. Doch Meg will sich das nicht länger gefallen lassen und stellt sich gegen die Erwachsene. Diese sperrt sie in den Keller und beginnt sie zu quälen, zu beschimpfen und zu missbrauchen. David ist in einem Zwiespalt, er findet es toll, dass Meg widersprochen hat, doch die Bestrafung muss sein. Schließlich begehrt man nicht gegen Erwachsene auf. Die Misshandlungen finden kein Ende, nehmen immer mehr zu, Ruth lässt ihre eigenen Kinder dabei zusehen, denen sie erklärt, warum sie dies tut. Von da an übernehmen die Jungs die Quälereien. Das Gefühl, Macht zu haben verändert auch Davids Bewusstsein. Sein Mitleid verschwindet: "Man wird einfach dazu getrieben". Nachdem Meg bei einer Dusche schwere Verbrennungen erleiden muß, setzt bei David jedoch die Erkenntnis wieder ein. Er muss Meg helfen, aus diesem Keller zu entkommen, bevor es zu spät ist...
"Evil" ist ein Buch, das mich gleichzeitig in den Bann gezogen, aber auch schockiert hat. Die Beschreibungen der Misshandlungen sind nichts für Zartbesaitete. Jack Ketchum wird nicht umsonst als »der furchteinflößendste Autor Amerikas« (Stephen King) bezeichnet. Hin und wieder möchte man das Buch eigentlich aus der Hand legen, geradezu in die Ecke schmeißen, doch die Geschichte fesselt wider Willen. Man fiebert und leidet mit Meg und ist immer gespannt, wie sie die Torturen übersteht - und welche Grausamkeiten als Nächstes kommen werden. Durch den spannenden Aufbau fliegt man förmlich von einem Kapitel zum Nächsten. Hat man "Evil" dann durch, schwört man sich nur eines: Die Gesellschaft wieder aufmerksamer zu beobachten, um bei Verdacht eher eingreifen zu können.
Fazit: Spannender Geschichtsaufbau mit erschreckendem und aufwühlendem Inhalt.
Bewertung: 5/5
Jack Ketchum
334 Seiten
Heyne Hardcore 2006
8,95 Euro
Bildquelle: Heyne Hardcore
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