Dienstag, 24. Januar 2012

Konzertreview vom 17.01.2012 Evile

17.01.2012 Evile – Portrait – Dr. Living Dead, Backstage Club

Wer Lust hatte auf britischen und schwedischen Metal, kam am 17.01. in den Club. Und so wie es aussah, hatten ca. 70 Leute richtige Lust auf harte Töne. Die noch recht neue schwedische Band Dr. Living Dead machten den Anfang.

Das Intro, mit dem die Band die Bühne betrat, erinnerte zunächst an einen Bombenangriff. Die Musiker kamen auch dementsprechend auf die Bretter gestürmt. Ein sofortiger Hingucker, die Skelettmasken auf den Köpfen der Mitglieder. Ein wenig amüsant aber dennoch beeindruckend. Mit den ersten Tönen und Klängen hatten sie sofort ein paar angereiste und eingefleischte Fans zum Springen und Bangen animiert. Das zog sich durch den gesamten Auftritt. Die Stimmung der feiernden Jungs ging aber nur bis in die zweite Reihe über, die restlichen standen eher kopfnickend an der Bar. Die Band sagt selber, sie seien Perfektionisten, setzen sich regelrecht unter Druck und wollen immer ihr Bestes geben. So auch an diesem Abend. Mehr Speed und Trash ging fast nicht. Die Instrumente schrien förmlich nach Pause, doch die Musiker hatten kein Erbarmen. Mir hat der Auftritt sehr gut gefallen, diese Band hat alles, um in der Metalszene zu bestehen. Ein sehr stimmiges Konzept.

Weniger Vergnügen bereitete die nächste Band. Es wurde mystisch, leicht esoterisch, ja fast satanisch. Kerzen und Räucherstäbchen? Erwartungsvoll war der Blick zur Bühne. Gitarristen und Schlagzeuger in engen Röhrenjeans mit Nietengürteln und Lederwesten versprühten noch einen Metalfunken. Der Sänger von Portrait, Per Karlsson, legte einen ganz dramatischen Auftritt hin. Anmutig, mit einem Totenschädel in der Hand und umgedrehten Kreuz auf der Brust, schritt er zu seinem Mikrophon. Andächtig legte der den Schädel zu den Kerzen. Gut, Neugier hatten sie geweckt. Wer jetzt auf harten Metal wartete, konnte lange warten. Es gab keine tiefen Crawls, ein fast lieblicher, heller Klang erfüllte den Club. Auch wenn mich die Tonvariationen nicht begeisterten, die Bühnenpräsenz, Gestik und Mimik des Sängers ließen auch mich den Inhalt der Texte spüren. Im Gegensatz zum Sänger der ersten Band, der nicht wirklich stillstehen konnte, passierte bei Portrait nichts auf der Bühne. Keiner verließ seinen Posten, keiner machte eine witzige Geste oder lachte. Langweilig fand es dann auch der Totenschädel, der sich vom „Altar“ verabschiedete und auf dem Boden zerbrach. Ob das ein schlechtes Omen für die Band war? Der Applaus beim Anschluss fiel recht gut aus. Den anderen Zuhörern hatte dieser etwas bizzare Auftritt wohl besser gefallen als mir. Zum Glück hatte man das Highlight noch vor sich.

Evile betraten die Bühne. Ein kraftvolles und starkes Auftreten, das symbolisierte, sie haben Bock zum Spielen. Das konnte man sehr gut bei dem Schlagzeuger der Band beobachten. Fast hibbelig und nervös saß er hinter seinem Instrument. Und mit den ersten Drums war klar: Das wird noch ein toller Abend. Die ausdrucksstarke Stimme des Sängers Matt Drake hallte durch die Räumlichkeiten. Mit emporgehobener Faust und starken Ansagen animierte er die Fans. Immer wieder gab es einen kleinen Moshpit, Gott sei Dank war ja dafür noch genug Platz, bei dem die halbstarken Metaller ihre Aggressionen auslassen konnten. Ein paar Stage Diver wagten sich von der Bühne, man hatte aber immer ein wenig Bange, ob die Anderen denjenigen auch tragen konnten. Der Club hatte sichtlich Vergnügen an dem Auftritt. Die Band würdigte dies auch mit Applaus und hochgehobenen Daumen. Musikalisch sowie stimmlich gab es nichts auszusetzen. Im Club verfehlte der Sound nicht seine Wirkung. Kein Ton ging unter. „The Killer from the Deep“ hatten an diesem Abend genug Ausdauer und Kraft, sie gaben ihr Bestes.

Fazit: Ein genialer Metalabend, dessen Stimmung nur von Portrait getrübt wurde. Evile und Dr. Living Dead, wer die Chance hat sie zu sehen, sollte es unbedingt.

Bilder gibt es zu sehen bei http://metalspotter.de/konzerte/evile-17.01.2012/

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