Mittwoch, 15. Februar 2012

Rezension: Jack Ketchum - Beuterausch

Im Albtraum gefangen


Heyne Verlag

Cleek ist Familienvater und Anwalt. In seiner Freizeit widmet er sich der Jagd. An einem sonnigen Nachmittag hat er sein Gewehr und seine Augen jedoch nicht auf das Getier gerichtet, sondern auf eine wilde, schmutzige und geschundene Frau, die im Fluss ihr Essen jagt. Eines Tages werden die Familienmitglieder gebeten, den Keller zu räumen für ein Experiment. Er will die Wilde als Sklavin halten, sie erziehen und zähmen. Er überwältigt sie und hält sie in dem kleinen Raum gefangen. In schweren Ketten, an eine Steinwand fixiert, erträgt sie die Züchtigungen des Familienoberhauptes und seines Sohnes. Doch die Kräfte dieser Frau sind unberechenbar, ihr Ausbruch wird zum Albtraum.


Beuterausch ist der Nachfolgeroman von Beutezeit. Eine Fortsetzung, die es sich zu lesen lohnt. Allerdings muss man nicht unbedingt den ersten Teil gelesen haben, denn die Charaktere und Hauptpersonen sind andere und stehen nicht in direktem Zusammenhang. Es ist für denjenigen uninteressant, der nicht alle drei Teile lesen möchte. Der dritte Roman Beutegier greift teilweise die Charaktere aus dem ersten Teil wieder auf. In jedem dieser Bücher ist der Kannibalismus das Hauptthema und die damit verbundenen makaberen Handlungen. Wieder verschlang ich das Buch in wenigen Tagen, immer wieder nutzte ich freie Minuten zum Lesen. Ketchum versteht es den Leser neugierig zu machen, zieht ihn immer wieder mit neuen Überraschungen in den Bann. Auch bei diesem Buch fühlt man mit den Charakteren. Die Mutter, die eifersüchtig ist, weil die Fremde Berührungen empfängt, die eigentlich ihr zustehen sollten. Peg, die große Tochter, die selbst in ihrem Körper gefangen ist. Sie leidet besonders mit der Wilden, möchte ihr helfen und beschützt sie, hat sie doch mit der Gefangenen viele Gemeinsamkeiten. Der 13-jährige Brian, der seinen Vater als großes Vorbild sieht und ihm nacheifern möchte. Er sieht die Misshandlungen als völlig normal an. Behandelt Frauen genauso schlecht und betrachtet sie als minderwertig. Er versucht in die Fußstapfen seines Vaters zu treten und imitiert dessen Handlungen. Sie alle sind Komplizen bei dem Experiment und wissen, was mit ihnen passiert, wenn die Polizei davon erfährt. Also halten sie still, schweigen, leiden und verstecken ihre Gefühle. Sie sind gehorsam, denn wenn sie es nicht tun, wird auch ihnen Leid zugefügt. Cleek hat seine Familie unter Kontrolle, bis dann doch die Wende kommt.  


Jack Ketchum nimmt auch in diesem Buch kein Blatt vor den Mund, er beschreibt seine Charaktere und Geschehnisse bis ins kleinste Detail, ohne sich aber darin zu verlieren oder allzu weit auszuholen. Direkt und hart. Doch das ist man nach ein paar Ketchum-Büchern gewohnt, da wundert man sich über nichts mehr.  


Fazit: Von Lesegenuss kann man bei der Brutalität sicherlich nicht sprechen, anpruchsvoll ist es definitiv nicht. Doch die Horrorgeschichten und der Schreibstil verleiten mich immer wieder dazu, ein Buch dieses Autors zu lesen. So wie dieses!  


Für alle, die lieber die Bilder vor dem Auge haben. 
Das Buch wurde im letzten Jahr in den USA verfilmt und ist unter dem Namen "The Woman" erhältlich.

5/5


Verlag: Heyne Hardcore
285 Seiten
8,99 Euro

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