Sonntag, 15. Januar 2012


Es gibt kein Entrinnen

Die junge Sportlerin Maria wird aufgrund einer misslungenen Hotelreservierung gezwungen, sich ein Zimmer in dem eine Stunde entfernten Hotel Rushmore Inn zu nehmen. Fernab von jeder Zivilisation, in einem kleinen Wäldchen, befindet sich die Unterkunft. Allein der Anblick bereitet Maria vom ersten Moment an Unbehagen.
Ein Jahr später reisen wieder Athleten nach West Virginia. Letti, Kelly, Florence, Deb und Mal erfahren das gleiche Schicksal. Auch sie müssen auf das Waldhotel ausweichen. Der Weg dahin gestaltet sich schwierig, ohne Wegweiser ist es nur schwer zu finden. Die merkwürdigen Gestalten, denen sie begegnen, stellen sich vor Ort als Hausbesitzer heraus. Dass diese nichts Gutes mit ihnen vorhaben merken sie zu spät. Die missratenen und entstellten Geschöpfe wollen an ihr Blut, um ihr eigenes, krankes zu reinigen. Nacheinander landen die Hotelgäste im Folterkeller und treffen auf die gesuchte und verschollene Athletin Maria.
Felix, der Verlobte von Maria sucht seit Monaten nach seiner Geliebten. Nach unzähligen Hinweisen, die ihn in die Irre führten, schlägt er nun den richtigen Weg ein. Doch einfach gestaltet sich die Rettung nicht.

Jack Kilborn ist ein Pseudonym des Autors Joseph Andrew Konrath, der 1970 in Skokie, einem Vorort von Chicago im US-Staat Illinois, geboren wurde. Leider hatte er unter seinem Geburtsnamen mit seinen Romanen keinen Erfolg, konnte mit seinen Geschichten auch keinen Buchverlag von sich überzeugen. Erst mit dem Namenswechsel und den Horrorgeschichten gelang es ihm die Erfolgsleiter zu erklimmen. Nachdem er mit "Angst" den Lesern bereits zu verstehen gegeben hat, womit sie zu rechnen haben, nämlich Gemetzel, Horror und viel Blut, setzt er mit dem zweiten Buch "Das Hotel" noch einen oben drauf.

Maria wird zunächst nach ihrem Einzug psychisch fertig gemacht. Immer wieder verschwinden Sachen oder sie liegen an einem anderen Ort. Zudem hört sie Geräusche, fühlt sich beobachtet und vernimmt unter ihrem Bett ein Kichern. Die Verwirrung griff auch auf mich, blätterte ich nochmal einige Seiten zurück um nachzulesen, ob sie denn wirklich den Koffer auf das Bett stellte oder nicht doch daneben. Nach zehn Seiten war ich bereits so gefesselt, das ich nicht mehr aufhören konnte. Die Familie, die das Hotel besitzt, besteht aus genmanipulierten Wahnsinnigen blauen Blutes. Sie sind der Überzeugung, Nachkommen des Präsidenten Roosevelt zu sein. Die Vorstellung, dass mich ein zweiköpfiges Monster mit Wolfsrachen und doppelter Daumenanlage angreift, ekelte nicht nur Maria. Ich konnte förmlich die Gestalten vor mir sehen. Die bleichen Gesichter und die veränderten hässlichen Körper. Die Beschreibung der Qualen im Folterkeller, die Bluttransfusionen und die Fortpflanzungsmethoden ließen mich schaudern. Seite um Seite nahm der Horror zu. Die Spannung ließ mich nicht mehr von der Couch. Dann kam die Wende, die Gefangenen konnten sich befreien und versuchten zu fliehen. Dabei stolperten sie über einige in Formalin eingelegte, ebenfalls entstellte Embryos. Der beißende Geruch stieg fast aus dem Buch. Felix hatte sich vorgekämpft, geriet aber selber in die Fänge der Monster. Zusammen mit Marias Bruder konnte er einige der Kannibalen beseitigen. Dank der Erkenntnis, dass es sich hierbei um Bluter handelte, hatten sie nun leichtes Spiel. Für den Leser aber wird es wieder makaber. Die Darstellung der blutenden Kehlen, der herausquellenden Gedärme, der abgehakten Gliedmaßen sowie der brechenden Knochen ist nichts für zarte Nerven. Dass auch meine Nervosität stieg, bemerkte ich daran, dass ich mir immer wieder während des Lesens auf die Unterlippe biss. Innerhalb von zwei Tagen hatte ich das Buch verschlungen. Die direkte und packende Schreibweise nahmen mich regelrecht mit auf diesen Horrortrip.

Jack Kilborn ist mit seinen Büchern eine tolle Neuentdeckung auf dem Markt. Horror, Abschlachtereien, jede Menge Blut und Spannung werden geboten. Jeder, der darauf steht, sollte dieses Buch auf jeden Fall lesen.

5/5
Und ich würde am liebsten noch mehr geben!

Quelle: Heyne Verlag


Jack Kilborn: Das Hotel
382 Seiten
Heyne Verlag, Deutsche Erstausgabe 01/2012
8,99 Euro

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