Samstag, 10. März 2012

Konzertreview: 24.02.2012 Boppin`B - Hellabama Honky Tonks

Feuer unter den Sohlen

Ein laues Lüftchen streift durch mein Haar, die Straßen für mich und meinen Cadillac sind frei. Im Radio trällert Buddy Holly seinen Hit Peggy Sue. Der Wind rauscht ein wenig und den Petticoat, die Sommerstrahlen kitzeln auf der Nase.

Ein "Wo ist deine Karte?" riss mich aus meinem Tagtraum. Um mich herum ein paar Mädels in Petticoats und Blümchen im Haar. Auch sie bereit für die Zeitreise in die 50er Jahre? Es warteten zwei tolle Bands mit Rock´n´Roll Musik auf uns, die sich der Herausforderung stellten. Gespannt war ich, ob es ihnen wohl gelingen würde, meinen Tagtraum Wirklichkeit werden zu lassen. Ein wenig enttäuscht war ich dennoch von den Angereisten. Es hatten sich nur wenige Mädchen in Schale geschmissen und auch nur einige Halbstarke standen zu Tolle und umgeschlagenen Jeanshosen. Ich hatte wesentlich mehr erwartet. Schade. Trotzdem tat es der Stimmung keinen Abbruch.

Nachdem sich die Halle nun langsam füllte und auch die ersten Reihen, ging es um kurz nach acht los mit der Reise in die Vergangenheit. Die Jungs von den Hellabama Honky-Tonks machten den Anfang. Sie selber beschreiben ihre Musik als High Octane Hillbilly Rock´n´Roll! Was bedeutet das? Die Mischung aus Gitarre, Kontrabass und Schlagzeug erinnert an einen schweren V8 Motor. Die Musik ist schnell, dreckig und laut. Sie verliert aber nie das Gefühl für Groove und Melodie. Die Takte lassen das Publikum sofort ins Swingen verfallen. Die Füße heben sich vom Boden, ein Lächeln zaubert sich in die Gesichter. Sofort waren sie wie hypnotisiert und genossen das Konzert. Wie ich bei der Beschreibung schon erwähnte, war die Musik sehr schnell, ruhige Töne wären aber auch fehl am Platz gewesen, wollten doch alle nur tanzen und nicht schunkeln. Der Sound verteilte sich hervorragend in der Halle, die Mischung war sehr gut. Mit ihrer Energie und ihrem Engagement auf der Bühne hatte die Band keine Schwierigkeiten immer wieder Schwung und Freude zu versprühen. Es war ein hervorragend gelungener musikalischer Auftakt für den Abend. Die Füße hatten sich eingetanzt und wollten definitiv mehr.

Nach kurzer Umbauphase wurde die Bühne voll. Geballte Manneskraft verteilte sich auf Saxophon, Gitarren und Kontrabass. Sänger Michael Treska legte mit seiner "Scheißkapelle" sofort los. Die starke Stimme und die ersten Töne ließen die Fans jubeln. Schwungvoll, rockig und explosiv folgte ein Titel dem anderen. Dass Boppin`B bereits seit 1985 die Bretter stürmen und die Menschen begeistern, spürt man deutlich. Sie harmonieren fantastisch miteinander, großes Vertrauen ist gegeben, vor allem bei den akkrobatischen Darbietungen. Diese wurden stets mit Jubel und Applaus belohnt. Das Münchner Publikum war an diesem Abend sehr entspannt und locker, keine verkrampften Zurückhaltungen. Sie ließen Spaß und Freude einfach raus. Nachdem uns Boppin`B zunächst mit eigenen Kompositonen begeistert hatte und die Stimmung eh schon am Höhepunkt war, gaben sie nun diverese Coverversionen zum Besten. Hits von Sascha und Roxette heizten den Fans nochmal richtig ein. Es wurde mitgesungen und gefeiert. Die Band überzeugte mich total. Es machte einfach nur Spaß ihnen zuzusehen und zu lauschen. Diese Energie und Freude auf der Bühne konnten gar keine andere Wirkung erzielen. Da konnte keiner ruhig in der Ecke stehen, selbst diejenigen ohne Taktgefühl bewegten sich. Nach guten zwei Stunden ließ man sie aber nicht einfach so von der Bühne treten. Natürlich verlangte man nach Zugabe. Eigentlich sollte der Abend nie enden. Doch nach einer sehr ungewöhnlichen aber tollen Boppin`B Version von "Wind of Change" mussten die Fans die Halle dann doch verlassen.

Vorher kaufte man noch den halben Merchstand leer. Beide Bands hatten viele tolle Sachen dabei. Von Voodoopüppchen über Unterhöschen bis hin zum Haarschmuck, T-Shirts und Collegejacken konnte man alles kaufen. Fazit: Ein wunderschöner Abend, mit sehr geiler Musik, fast durchgetanzten Schuhen und angekratzter Stimme vom Singen und Jubeln. Beim nächsten Mal bin ich auf jeden Fall wieder dabei.


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